Schüler werden immer wieder wegen ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihrer Behinderungen diskriminiert. Das geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Abgeordneten Sebastian Walter hervor.

Demnach zählte Saraya Gomis, Antidiskriminierungsbeauftragte der Bildungsverwaltung, im Schuljahr 2016/2017 genau 183 Beschwerden. Aktuellere Angaben liegen noch nicht vor. In 147 Fällen bestätigte sich der Vorwurf einer Diskriminierung, 23 Fälle wurden bislang trotz des schon etwas länger zurückliegenden Zeitraums noch nicht geprüft.

Auch Lehrer diskriminieren ihre Schüler

Laut Bildungsverwaltung ging es allein in 106 Fällen um Schüler, die rassistisch oder antisemitisch benachteiligt, gedemütigt oder beleidigt wurden. Es ging vor allem um antimuslimischen Rassismus (36 Fälle) und um Rassismus gegen Schwarze (24 Fälle), zudem unter anderen um Diskriminierung von Sinti und Roma (12 Fälle) und Antisemitismus (9 Fälle). Aber auch wegen ihres Geschlechts, der sexuellen Orientierung, wegen Krankheiten oder Behinderungen waren Schüler Diskriminierungen ausgesetzt.

Pikant: Ein Drittel der Diskriminierungen, nämlich 48 Fälle, ging demnach von Lehrkräften, Erziehern oder Sozialarbeitern aus. Nur ganz vereinzelt kam es zu dienstrechtlichen Maßnahmen wie einer Missbilligung oder einer Geldbuße. Diskriminierungen gab es zudem auch im Rahmen der Zusammenarbeit von Schule und Polizei oder Jugendamt sowie in Bildungsmaterialien oder Schulregeln.

Diskriminierung ist ein Alltagsproblem

Die Bildungsverwaltung weist darauf hin, dass die Datenerhebung nicht repräsentativ ist und keine verlässlichen Rückschlüsse auf das tatsächliche Ausmaß von Diskriminierungen in der Schule zulässt. Dazu sei ein Datenabgleich mit anderen Institutionen wie Beratungsstellen nötig. Zudem wirkten an Schulen teils „starke Beschwerdehemmnisse“, so dass sich nicht alle von Diskriminierungen, Rassismus und Antisemitismus Betroffenen beschwerten. Die Verwaltung will nun den Aufgabenbereich im Jahr 2019 personell ausbauen.

„Diskriminierung an Berliner Schulen ist ein Alltagsproblem. Es muss davon ausgegangen werden, dass die registrierten Fälle nur die Spitze des Eisbergs abbilden“, sagte Sebastian Walter, Sprecher für Antidiskriminierung der Grünen-Fraktion. Dass Schüler es mehrheitlich nicht wagten, Diskriminierungsfälle zu thematisieren, sei erschreckend, sagte Sebastian Walter. „Diskriminierung hat Auswirkungen auf das Schulklima, auf Gewalt an der Schule und die Leistung der Schülerinnen und Schüler.“ (mit dpa)