Berlin - Das Projekt ist laut Gesundheitsstadträtin Dagmar Pohle (Linke) einzigartig in Berlin. Denn in der 56-seitigen Broschüre sind nicht nur Adressen von Ärzten und Kliniken im Bezirk aufgelistet. Auf leicht verständliche Art wird auch die Funktionsweise des deutschen Gesundheitssystems beschrieben – von der Praxisgebühr und dem Überweisungsschein über den Krankenhausaufenthalt bis hin zur Krankenversicherung für EU-Arbeitnehmer.

Etwa tausend Polen, darunter ein Großteil Roma, sind in den vergangen Jahren in den Bezirk gezogen. In erster Linie soll sich der Ratgeber an diese Familien richten, sagt Pohle. „Er soll eine Stütze für Neuankömmlinge sein.“ Doch mit der EU-Freizügigkeit im vergangenen Jahr – seitdem sind Arbeitsbeschränkungen für etliche jüngere EU-Länder wie Polen weggefallen – gewönnen die Informationen auch für andere Menschen aus dem Nachbarland an Bedeutung, sagt die Stadträtin. Denn in dem Heftchen gibt es auch praktischen Rat für polnische Arbeitnehmer in Deutschland – beispielsweise zu gesetzlichen Bestimmungen für Selbstständige und zu Leistungen der Notfallversorgung.

Die Kosten von rund 5 000 Euro für den Ratgeber, erarbeitet vom gemeinnützigen Verein Ball e.V., kommen aus dem Programm Lokales Soziales Kapital. Das Heft ist kostenlos u.a. bei der Caritas, in den Bürgerämtern und Stadtteilzentren zu erhalten. Weil es schon bei den beiden vorher veröffentlichten Broschüren großes Interesse aus anderen Bezirken gab, will Pohle die neueste Publikation bei der nächsten Sitzung der Berliner Gesundheitsstadträte vorstellen. Die Erfahrungen von Marzahn-Hellersdorf werden bereits nachgenutzt: Gegenwärtig ist Ball e.V dabei, einen Gesundheits-Ratgeber Russisch-Deutsch für den Bezirk Lichtenberg zu produzieren.