Trinken, rauchen, Sprit verbrauchen: Unsere schlechten Vorsätze für 2023 in Berlin

Der Jahreswechsel ist traditionell die Zeit der guten Vorsätze. Wir nehmen uns diesmal lieber etwas Schlechtes vor – das können wir dann wenigstens auch halten. 

Zeit für Orgien und spätrömische Dekadenz: Wann, wenn nicht 2023?!
Zeit für Orgien und spätrömische Dekadenz: Wann, wenn nicht 2023?!Uroš Pajović für Berliner Zeitung Wochenende

Da ist sie wieder, die kurze Zeit der guten Vorsätze für das kommende Jahr: gesünder leben, bewusster einkaufen, mehr Verzicht, weniger Genuss. Dabei wissen wir doch alle, dass die Halbwertszeit dieser Vorsätze spätestens Mitte des kommenden Monats erreicht ist.

Warum sich also quälen, die vergangenen drei Jahre waren schon anstrengend genug. Daher unsere Losung für 2023: mehr Spaß! Hier unsere Vorsätze für das nächste Jahr:

1. Die Zigarette stirbt zuletzt

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist der blödeste Neujahrsvorsatz überhaupt. Man hat das ganze Jahr über Zeit, sich diese lästige Sucht vom Hals zu schaffen und sucht sich dann ausgerechnet Neujahr aus, einen Tag, nachdem man es nochmal so richtig hat krachen lassen. Am Silvesterabend schön die schnapsige Bowle leergetrunken, auf den letzten Drücker drei Schachteln Kippen weggequarzt – wer würde da am nächsten Morgen nicht allen Süchten abschwören?

Einer der blödesten „guten“ Vorsätze, die man zu Silvester fassen kann: im kommenden Jahr endlich mit dem Rauchen aufzuhören.
Einer der blödesten „guten“ Vorsätze, die man zu Silvester fassen kann: im kommenden Jahr endlich mit dem Rauchen aufzuhören.Imago

Das Problem ist, dass drei Tage später alle Exzessfolgen vergessen sind und man es dann schon wirklich ernst meinen muss, um das Nichtrauchen durchzuziehen. Vorher hat man den guten Vorsatz schließlich schon in alle Welt getrötet. Wie oft habe ich schon versucht, mit dem Rauchen aufzuhören? Es waren sicher ein Dutzend Male – und genauso oft habe ich wieder angefangen. Nichts, worauf ich stolz bin, aber auch nichts, wofür ich mich selbst kasteien werde. Immerhin ist es mir gelungen, die Glimmstängel aus dem Alltag zu verbannen. Aber ich weiß genau, die nächste Weihnachtsfeier, der nächste Partyabend, und ja, auch das nächste Silvester werden kommen und mit ihnen die Freude auf eine Ausnahme-Zigarette. Oder auch zwei. Daher mein Vorsatz für 2023: Ich möchte weiterhin rauchen. Manchmal. Danke. Anne Vorbringer


2. Ungesünderes Zeug essen

Diäten beginnen bekanntlich immer am Montag. Und der Vorsatz, sich endlich gesünder zu ernähren, wird immer auf den ersten Werktag im Jahr terminiert. Dann wird alles besser, der Vertrag über die Mitgliedschaft im Fitnessstudio („Werden Sie endlich die Person, die Sie schon immer sein wollten“) ist abgeschlossen, zum Vorteilspreis für ein ganzes Jahr, und spätestens im Juni will man endlich alle beeindrucken mit seinem aufs Optimum zwischen Körperfettanteil und Größe hintrainierten Superheldenbody. Chips und Konsorten kommen nicht mehr in die Tüte, schon gar nicht ins Haus und beim Streaming-Abend wird in Zukunft glücklich am Kokoswasser genippt.

Für 2023 rufen wir die Losung aus: Leute, esst mehr Süßes!
Für 2023 rufen wir die Losung aus: Leute, esst mehr Süßes!imago images

Machen wir uns nichts vor. All diese tollen Vorsätze halten maximal drei Wochen und genau so oft war man im Studio auf dem Stepper. Der Fitnesstrainer sah zwar unglaublich gestählt aus, aber der macht ja auch acht Stunden am Tag nichts anderes. Wir aber wollen im Jahr 2023 Spaß am Leben haben, und dazu gehören auch Süßigkeiten, ein Drink und der beherzte Griff in die Familienpackung Chips, Geschmacksrichtung Höllenscharf. Alle anderen sollen bitte im kommenden Jahr den Mund halten, sonst wird mit Kokoswasser gespült. Zimmerwarm schmeckt das muffig wie alte Socken, das wollen Sie nicht. Marcus Weingärtner


3. Mehr Alkohol trinken

Was mir womöglich helfen würde, wäre eine Renaissance der Alkopops. Eine Rückkehr dieses bonbonfarbenen Zuckerwassers mit einer ordentlichen Portion Alkohol drin, von dem man am Anfang des Jahrtausends gedacht hatte, es würde die Jugend auf ewig versauen. Die ganz große Katastrophe aber blieb glücklicherweise aus – Alkopops verschwanden ziemlich schnell wieder aus den Kioskregalen und somit auch von den Teenagerpartys. Ich wünsche sie mir zurück, weil ich, was den Alkoholkonsum angeht, genau das bin: Ein Teenager, den man mit knalligen Farben und ulkigen Geschmäckern an die Flasche heranführen muss.

Mehr Alkohol! Es muss ja nicht immer Bier sein.
Mehr Alkohol! Es muss ja nicht immer Bier sein.Imago

Ich mag nämlich gar keinen Alkohol – wohl aber den Rausch. Und ich finde, ich bin eindeutig viel zu oft nüchtern! Fast immer nämlich; auch dann noch, wenn rechts und links von mir längst gelallt, geschielt und geschunkelt wird. Während die anderen schon genussvoll den sechsten, siebten Cocktail leeren, nippe ich noch lustlos an meinem ersten Sektgläschen. Können die anderen Bier in rauen Mengen wegstellen, mische ich mir öfter mal Cola in den Gerstensaft – wie ein Teenager halt! Dabei wäre ich so gerne öfter mal gepflegt betrunken, was ja auch eine hübsche Form des Eskapismus darstellen kann. Also nehme ich mir vor, im kommenden Jahr endlich einen Drink zu finden – meinen Drink –, der mir schmeckt und der mich verlässlich ins feucht-fröhliche Jenseits befördert. Es muss ja nicht gleich ein Alkopop sein. Manuel Almeida Vergara


4. Öfter mal das Auto nehmen

Schwierig wird für mich, im neuen Jahr beiden Vorsätzen gerecht zu werden. Denn ich will nicht nur mehr Alkohol trinken und öfter mal betrunken sein – ich will auch häufiger ins Auto steigen. Und beides zusammen, das ist mir trotz aller schlechter Absichten durchaus bewusst, geht natürlich nicht. Don’t drink and drive, dabei will ich auch im neuen Jahr ganz brav bleiben. Also nehme ich mir vor: Wenn ich nicht gerade trinke, dann fahre ich. Nicht mit dem Fahrrad, nicht mit dem Bus oder der Bahn – das stinkende, nur wenig umweltfreundliche Auto soll es sein! Denn ich habe jüngst festgestellt: Die Solo-Fahrt bringt mir einfach irrsinnige Freude.

Im neuen Jahr gibt’s ein Auto!
Im neuen Jahr gibt’s ein Auto!dpa

Nach 15 Jahren ohne eigenen Wagen, aber dafür stets mit einem BVG-Ticket, bin ich in den vergangenen Wochen und Monaten häufig mit dem Auto einer Freundin unterwegs gewesen. Und meine Laune war nie besser! Keine Öffis, die zu spät kommen könnten, kein schlechtes Wetter, das mir die Laune verdirbt – nur ich, das Auto und die Berliner Straßen. Nun ist meine Freundin kein Mietwagenverleih, also hängt an meinem schlechten Vorsatz noch ein weiterer dran: Ich will mir im neuen Jahr endlich wieder ein Auto kaufen. Auch wirklich nur ein ganz kleines – versprochen! Manuel Almeida Vergara


5. Bloß keinen Sport machen

Zwar gibt es keinen seriösen Beleg dafür, dass das legendäre „No Sports“-Zitat von Winston Churchill stammt. Ich mag die Vorstellung dennoch, dass ein passionierter Zigarrenraucher und Whiskytrinker auf die Frage, wie er sein hohes Alter erreicht habe, eben mit „No Sports“ antwortet. Es kommt mir gelegen, weil ich Sport nicht ausstehen kann. Ich hasse Joggen, finde Fitnessstudios furchtbar, kann Yoga wegen des damit verbundenen Lifestyles und Achtsamkeitsblablas wenig abgewinnen.

Sieht das aus, als ob es Spaß machen würde? 
Sieht das aus, als ob es Spaß machen würde? dpa

Ich habe auch keinen Schrittzähler und keine Workout-Apps auf meinem Handy. Trotzdem lebe ich noch und muss mich daher, das weiß ich schon, auch mal bewegen. Also fahre ich Fahrrad, 20 Kilometer jeden Werktag, zur Arbeit hin und abends wieder zurück. Auch Churchill war ja durchaus als Fechter, Schütze, Reiter und Polospieler aktiv. Ich fahre Rad, das muss reichen, mehr Sport ist einfach nicht drin. Sonst ist ratzfatz der Fuß verknackst, die Schulter ausgerenkt, ein Band gezerrt. Man kennt das doch. Daher gilt mein „No Sports“-Vorsatz auch diesmal, wie in allen Jahren. Die Yoga-Studios von Pankow bis Schöneberg, sie werden schon ohne mich klarkommen. Anne Vorbringer