Das mag sich Bert Papenfuß gar nicht erst vorstellen, dass die neuen Nachbarn, also die Besitzer der teuren neuen Eigentumswohnungen von gegenüber an seinem Tresen sitzen, oder auch jene aus dem riesigen neuen Wohnkomplex um die Ecke – das ist nicht seine Kundschaft. Und soll es auch nicht werden.

Also zieht sich der Betreiber der Kulturspelunke Rumbalotte an der Metzer Straße in Prenzlauer Berg zurück und schließt sein Raucherlokal nach fünf Jahren. „Wir haben die Schnauze voll“, sagt Papenfuß, einer der bekanntesten Dichter in Prenzlauer Berg, ein Untergrundautor, Punk und Anarchist, Jahrgang 1956. „Ab jetzt macht hier jeder, was er will und kann, sagt, was auf seiner seesalzigen Zunge brennt, liest aus der Schnapsflaschenpost, spinnt das Seemannsgarn weiter, singt und trinkt gegen das laue Lüftchen, das hier zur unerträglichen Wettererscheinung geworden ist.“

Eine Kneipe für Künstler

Weniger lau sollte es in der Rumbalotte zugehen, als Papenfuß das Lokal im September 2010 eröffnete. Ein Kultur-, Quatsch und Trinktreff wurde das Ecklokal für den „renitenten Rest der Prenzlauer Berg Connection“, die noch nicht weggezogen, aus ihren Wohnungen vertrieben oder gestorben waren. Eine Kneipe für Künstler und Verweigerer, die sich in den Nischen der DDR trafen, dort dichteten, tranken, sangen und philosophierten und denen im Laufe der vergangenen Jahre, wie Papenfuß sagt, „im völlig verspießten Prenzlauer Berg“ die Orte ihrer Zusammenkünfte verloren gingen. Papenfuß glaubt ja auxh, Prenzlauer Berg werde zum „Rentner-Ghetto“.

In der Schankwirtschaft der Subkultur veranstaltete das Rumbalotte-Team Lesungen und Konzerte, man schaute Fußball, am Tresen tranken Musiker, Künstler und Literaten, hinter dem Tresen standen auch Musiker einst bekannter Ost-Bands. Die Ost-Boheme hatte sich wiedergefunden und fühlte sich wohl unter sich.

Ganz aufgeben will Papenfuß, der jetzt in Weißensee lebt, sein Konzept eines Alternativkulturlokals nun aber auch nicht, die Reise gehe weiter, der Verein Rumbalotte continua bleibe bestehen, sagt Papenfuß. Für „aufrührerische Tätigkeiten“ sucht er einen geeigneten Raum, etwa 60 Quadratmeter groß. „Leider bieten die Inhaber des Prenzlauer Berges nur überteuerte Immobilien an“, sagt er.

Weniger Punk

In den Räumen der Rumbalotte, gegenüber des Alt-Berliner-Lokals Metzer Eck, geht es in Kürze weiter. Befreundete Künstler übernehmen den Laden und eröffnen dort am 17. Oktober das „Watt“. Die neuen Betreiber wandeln die Kulturspelunke zu einem „Raucher- und Kulturgasthaus“ um, in dem es neben literarischen Abend auch Kino und Musikprogramme geben wird. Bands wie das Ensemble Club Jazz Debakel (sie spielen am Eröffnungsabend) treten dann auf, die Getränkekarte wird um Fassbier und einige Whiskey-Sorten erweitert. Die Gäste werden im Watt mehr Freefunk und Jazzrock hören. Und weniger Punk wie bei Papenfuß.