Raúl Krauthausen: „Der beste Stadtteil Berlins? Kreuzberg natürlich!“

In unserer Fragebogen-Rubrik blicken bekannte Berlinerinnen und Berliner auf ihre Stadt. Heute mit dem Moderator und Inklusionsaktivisten Raúl Krauthausen.

Wohnt seit über zehn Jahren in einer WG in Kreuzberg: Raúl Krauthausen.
Wohnt seit über zehn Jahren in einer WG in Kreuzberg: Raúl Krauthausen.Anna Spindelndreier

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, sie sind so verschieden wie die Stadt selbst. Was also macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und ihren persönlichen No-go-Areas. Sie verraten ihre Gastro-Geheimtipps, Shopping-Favoriten und Kiezgeheimnisse. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat Raúl Krauthausen unsere Fragen beantwortet. Der Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit ist seit über 15 Jahren in der Internet- und Medienwelt zu Hause – und lebt seit mehr als einer Dekade in einer Dreier-WG in Kreuzberg. Der 42-Jährige, der im Rollstuhl sitzt und kleinwüchsig ist, weiß, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, mit Behinderten unverkrampft umzugehen. „Dabei ist jeder zehnte Deutsche behindert, da sollten wir uns doch eigentlich an den Umgang gewöhnt haben“, heißt es in seiner 2014 erschienenen Biografie „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“, zu der Roger Willemsen das Vorwort geschrieben hat.

1.       Herr Krauthausen, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Ich bin in Peru geboren und kurz nach meiner Geburt schon nach Berlin gekommen. Meine Eltern fanden es vernünftiger, mich mit Behinderung lebend in Deutschland großzuziehen. Hier gab es einfach die bessere Gesundheitsversorgung für mich. Also bin ich quasi Berliner (West).

2.       Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Egal, Hauptsache unterwegs mit Freund:innen! Am besten mit Gin Tonic in der Sonne! Am liebsten am Wasser. Und ich liebe Hinterhöfe. Wann immer ich die Möglichkeit habe, erkunde ich die Hinterhöfe Berlins.

3.       Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

In Berliner 5-Sterne-Hotels. Wenn man außerhalb der Saison bucht, bekommt man stark vergünstigte Angebote. Darum mache ich manchmal einfach Urlaub in der eigenen Stadt und lasse es mir im Hotel-Wellness-Bereich ein paar Tage lang gut gehen. Vorteil: Keine lange Anreise, keine Reise-Zusatzkosten für Assistenz und man kann sich trotzdem mit Freund:innen treffen.

4.       Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Ecken mit Treppen und hohe Bordsteinkanten. Volle Räume und Plätze.

5.       Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Maky Vietnamese am Maybachufer. Und die Ankerklause. Da gibt es zusätzlich zu leckerem Essen auch günstige Cocktails.

Beste Lage am Landwehrkanal: die Ankerklause.
Beste Lage am Landwehrkanal: die Ankerklause.imago

6.       Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Der Wochenmarkt am Südstern oder die Marheineke Markthalle – tolle Feinkostläden und schöne Blumen! Und noch nicht ganz so hip.

7.       Der beste Stadtteil Berlins ist … 

Kreuzberg natürlich! Hier gibt es die schönsten Hinterhöfe und die besten Spaziermöglichkeiten. Außerdem ist alles verkehrstechnisch für mich gut zu erreichen. Manchmal fehlt mir hier eine S-Bahn.

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Sozialhelden e. V.
Zur Person
Raúl Aguayo-Krauthausen kam 1980 in der peruanischen Hauptstadt Lima zur Welt. Er studierte in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK und ist zudem ausgebildeter Telefonseelsorger.

Der von ihm gegründete Verein Sozialhelden setzt sich seit fast 20 Jahren für soziale Gerechtigkeit ein. Sein Engagement und seine mediale Präsenz machen ihn zu einem gefragten Ansprechpartner, wenn es um die Belange von Menschen mit Behinderungen sowie die Themen Barrierefreiheit oder Inklusion geht. Krauthausen wurde 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er ist auf YouTube und Twitter aktiv, außerdem betreut er mehrere Podcasts wie das neue Interview-Format „Im Aufzug“, nachzuhören auf seiner Website www.raul.de/projekte.

8.       Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Zu viele zu große Autos in der Innenstadt, E-Scooter, die im Weg stehen und die zunehmende Armut in dieser Stadt.

9.       Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Weniger Autos, barrierefreier Ausbau von Wohnraum, Arztpraxen und des ÖPNV, günstigere Mieten und 100 Prozent Inklusion an allen Schulen.

10.     Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Man kann es ja vorab mal zwei Wochen ausprobieren. Am besten in einem nicht so hippen Bezirk. Schöneberg ist auch unterschätzt.

11.     Cooler als Berlin ist nur noch …

Barcelona und Jason Momoa ;-)