Raumnot an Schulen: Mit mehr Unterstützung können Privatschulen profitieren

Die prognostizierte Raumnot an vielen Berliner Schulen hat bereits Krisensitzungen in der Verwaltung ausgelöst. Es gibt aber auch Menschen in der Stadt, die über die drohende Misere nicht ganz unglücklich sind. Man findet sie an Berliner Privatschulen. „Wir sehen jetzt die Chance, als verlässliche Partner wahrgenommen zu werden“, sagt zum Beispiel Christina Reiche, Sprecherin der Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg (EKBO). Die Voraussetzung dafür sei allerdings, dass der Senat mit den Privatschulen endlich auf Augenhöhe umgehe.

Etwa 37.000 Schüler besuchen eine Privatschule - Tendenz steigend

Die Schulverwaltung hat bereits angekündigt, dass sie auf die Raumnot vor allem mit Containerbauten und Provisorien reagieren will, damit mehr Schülern pro Schule unterrichtet werden können. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass eine höhere Nachfrage bei Privatschulen eine Folge sein wird. Ob solcher Aussichten ist ein wenig Frohlocken bei den Trägern dieser Schulen zu hören. Dies als Häme zu deuten, greift allerdings zu kurz. Es hat sich etwas Unmut angestaut bei den Berliner Privatschulen.

Etwa 37.000 Schüler besuchen in Berlin jene Schulen, die einen privaten Träger haben. Das ist etwa jeder zehnte Schüler. Die Zahlen steigen seit Jahren kontinuierlich an. Die Evangelische Schulstiftung ist mit 20 Schulen der größte Privatschulbetreiber der Stadt.

Vor allem die Finanzierung sorgt bei Privatschulen für Probleme

Und trotzdem fühlt man sich bei der Schulstiftung nicht gerade großartig. Und das hat wohl etwas mit fehlender Anerkennung zu tun. Denn am Selbstbild liegt es nicht. Im Gegenteil. Man ist durchaus stolz auf die eigenen Konzepte. „Wir haben die kleineren Hierarchien, gelenkigere Strukturen, innovativere Programme“, sagt Christina Reiche. Es gebe mehr Gemeinschaftssinn und ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl an den Schulen. Im Gegensatz zu staatlichen Schulen werde an allen evangelischen Schulen inklusiv gearbeitet.

In Spandau wird zum Beispiel gerade ein neues Projekt angeschoben: Von der ersten bis zur sechsten Klasse sollen dort künftig gesunde und mehrfach schwerstbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. „Wir könnten durchaus eine echte Alternative zu staatlichen Schulen sein“, sagt Christina Reiche. Das allerdings scheitere schon an den Grundvoraussetzungen.

Es ist vor allem die Finanzierung der Privatschulen, die bei Trägern wie der Evangelischen Schulstiftung seit Jahren für schlechte Laune sorgt. Derzeit laufe es darauf hinaus, dass die Schulstiftung etwa zwei Drittel ihrer Kosten finanziert bekomme, sagt Christina Reiche. Das Land erstatte nur 97 Prozent der Personalkosten, und die Träger müssten die Gebäudebewirtschaftung wie Wasser-, Strom- und Heizkosten und das Mobiliar selbst bezahlen. „Wir sind gezwungen, von den Eltern Beiträge zu verlangen. Wir wollen das gar nicht“, sagt sie.

Privatschulen erhoffen sich mehr Unterstützung beim Erwerb von Baugrundstücken

Und es läuft noch mehr schief aus Sicht der Privatschulen. So dürften etwa ihre Schülervertreter nicht mehr am Landesschülerausschuss teilnehmen. Eine Kleinigkeit vielleicht, aber sie sorge an den Schulen für Befremden.

Was die Nachfrage angeht, kann die Schulstiftung sich nicht beklagen. „In Neukölln haben wir auf einen Schulplatz 77 Bewerber“, sagt Christina Reiche. Der Ruf der Schule dort sei gut. Schon jetzt hat sie etwa 1000 Schüler. Eine Erweiterung ist geplant. Gerade wird über die Fläche des Bauplatzes verhandelt. In Zehlendorf ist eine Schule in Gründung. In Spandau, wo für das neue inklusive Projekt gebaut wird, soll in dem frei werdenden Gebäude eine Oberschule eröffnet werden. Ein Bauantrag wurde bereits gestellt. Auch in Pankow – einem jener Bezirke, in denen es deutlich zu wenig Schulplätze gibt – würde die Evangelische Schulstiftung gern mehr machen. Sie betreibt bereits eine Grundschule in einem historischen Gebäude.

„Wir würden gern sehr viel mehr machen, aber mit dieser Finanzierung geht das nicht“, sagt Christina Reiche. Und auch beim Erwerb neuer Baugrundstücke wünscht sich die Stiftung Unterstützung und eine größere Offenheit bei den Behörden.