Berlin - Die Sehnsucht nach Urlaub war vermutlich noch nie so groß. Nach monatelangem Lockdown zieht es auch die Berliner wieder ans Meer oder in die Berge.  Aber kann es mit dem Sommerurlaub 2021 klappen?

Wann die Urlaubsplanung starten kann, hängt vor allem von den politischen Entscheidungen der nächsten Tage ab. Bei Tui jedenfalls rechne man in den nächsten Wochen mit einer „nachhaltigen Erholung des Geschäfts“, sagt Aage Dünhaupt, Sprecher des Reiseveranstalters. Schon jetzt zeichnen sich die ersten Reisetrends für den Sommer ab. Zu den beliebtesten Zielen im Ausland gehören die griechischen Inseln Kreta, Rhodos und Kos. Zu den Favoriten gehören auch Mallorca und die Kanarischen Inseln.

Urlaubsflieger Richtung Mittelmeer und Kanaren schnell ausgebucht

Die Deutschen hoffen also auf Spanien und die Mittelmeerländer  - und dass durch die europaweiten Impfungen die Pandemie zurückgedrängt wird. Daher ist es durchaus wahrscheinlich, „dass in den Sommerferien im Juli und August die Jets auf vielen Strecken im Mittelmeerraum und auf die Kanaren schnell ausgebucht sein werden“, sagt Dünhaupt.

Aber auch Inlandsziele sind stark nachgefragt, wie etwa das Berchtesgadener Land (Bayern). „Ab Juli, August und September sind wir sehr gut gebucht“, sagt Teresa Hallinger, Abteilungsleiterin Destinationsmanagement in der Tourismus-Region Berchtesgadener Land. Allerdings seien Mai und Juni noch extrem schleppend nachgefragt, da die Menschen sehr verunsichert seien und auf das Go der Bundesregierung warteten. An der Ostsee sieht es ähnlich aus. „Die Nachfrage in den Sommermonaten ist ungebrochen groß“, sagt Nadine Riethdorf, Vorsitzende des Tourismusverbandes Insel Usedom. 

Hotelkette verlangt Impfnachweis

Alle Touristikunternehmen setzen auf die bereits im Vorjahr umgesetzten Hygienekonzepte, die jetzt sogar noch durch Corona-Tests und Impfungen der Mitarbeiter am Urlaubsort erweitert werden sollen. Das Unternehmen Alltours geht noch einen Schritt weiter. So sollen in der firmeneigenen Hotelkette Allsun nur noch Gäste Urlaub machen dürfen, die bereits gegen Corona geimpft wurden. Diese Maßnahme soll voraussichtlich erst ab 31. Oktober gelten, so ein Sprecher.

Urlauber wollen flexibel umbuchen

Während in der Vergangenheit die Deutschen bei der Urlaubsplanung auf den Preis schauten, setzen sie nun auf Flexibilität, so Tui-Sprecher Dünhaupt. Zwei Drittel aller Buchungen seien sogenannte Flex-Buchungen, die bei coronabedingten Veränderungen der Reise greifen sollen. „Urlauber haben damit die Möglichkeit, bis 14 Tage vor Anreise weltweite Pauschalreisen gebührenfrei umzubuchen oder zu stornieren.“

Die ersten Anbieter werben bereits mit großzügigen Stornierungsmöglichkeiten. Diese sollten vor Buchung der Reise genau geprüft werden, denn sie greifen nicht bei allen Tarifen und nicht in allen Fällen, sagt die Verbraucherzentrale. Bei einer Pauschalreise müsse der Reiseveranstalter einen Sicherungsschein herausgeben. Erst danach könne er eine Zahlung vom Reisenden verlangen. Die Insolvenzversicherung greife im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Reiseveranstalters. Daher rät der Deutsche Reiseverband, Pauschalreisen zu buchen, bei denen eine Insolvenzversicherung angeboten wird.

Wann ist die Stornierung kostenfrei?

Eine Pauschalreise könne kostenfrei storniert werden, wenn am Urlaubsort unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten und die Reise dadurch erheblich beeinträchtigt würde, etwa bei Naturkatastrophen, erklärt Irina Krüger von der Berliner Verbraucherzentrale. In der Regel sei eine kostenfreie Stornierung möglich, wenn eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliege, wie beispielsweise in der Pandemie. „Diese ist jedoch keine zwingende Voraussetzung, denn auch andere Gründe können für außergewöhnliche Umstände sprechen. In der aktuellen Lage wären das etwa die Infektionsgefahr und Einschränkungen im Reiseland. Die Gründe müssen jedoch im Einzelfall gesondert geprüft werden“, so Krüger weiter.

Erste Reisen erst im Sommer?

Der Deutsche Reiseverband geht davon aus, dass Urlaubsreisen erst ab dem Sommer richtig möglich sein werden. „Es herrscht allerdings nach wie vor eine große Verunsicherung – bei den Menschen, aber auch bei den Unternehmen, die Reisen anbieten“, sagt Verbandssprecher Torsten Schäfer der Berliner Zeitung.  Wie unsicher die Kunden sind, zeigen die Buchungszahlen im Januar. Normalerweise sei der Januar einer der buchungsstärksten Monate, hier werde in der Regel der Sommerurlaub gebucht. Doch in diesem Jahr hätten die Reisebüros 90 Prozent weniger Buchungen als im Vorjahr, so Schäfer.

Alle Hoffnungen richten sich nun auf die Ministerpräsidenten-Runde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nächste Woche, in der vielleicht erste Lockdown-Lockerungen ab dem 8. März beschlossen werden. Man müsse „jetzt erst mal die Corona-Mutationen abwarten“, dämpft Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in einem Interview mit dem Portal „Bild Live“ die Erwartungen. Er rechnet nicht mit schnellen Reiselockerungen. „Zum Urlaub möchte ich noch keine Versprechen abgeben, aber im Laufe des Jahres geht es bestimmt“, sagt er. Für Sachsens Länderchef Michael Kretschmer (CDU) sind damit alle Urlaubshoffnungen für Ostern zerstört. Mecklenburg-Vorpommern plant, die Hotels ab Ende März schrittweise zu öffnen, allerdings nur für die Bewohner des Bundeslandes. Für alle anderen soll das touristische Einreiseverbot noch weiterhin gelten. Ob sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) beim Thema Reisen in der Kanzlerrunde am 3. März einbringen wird, ist unklar.

Griechenland und Spanien sind gefragt