Bad Freienwalde - Ist das eine Fata Morgana? Oder nur ein merkwürdiger Traum? Nein, der erste Blick trügt nicht, der zweite und alle anderen, die folgen, auch nicht. Das hier gibt es wirklich. Der überdekorierte, angenehm dunkel gehaltene Gastraum, in dem das Tageslicht nur eine Nebenrolle spielt, ist Realität. Auch der Kamin in der Mitte, in dem ein Holzfeuer munter vor sich hin knistert. Die deftigen Wildschweinspeisen und das kühle Bier, das auf den langen Tischen steht, sind ebenfalls nicht geträumt.

Das gilt auch für den Wirt, der zur Freude der meisten versammelten Gäste musizierend und singend Weisheiten von sich gibt. Nein, alles spielt sich tatsächlich so ab. In einer Holzbaude, die in allen Details so anmutet, als stünde sie irgendwo im Thüringer Wald oder in noch südlicheren Gebirgen.

Ein Gipfel von 134 Metern

Dabei ist Letzteres nicht der Fall: Die vermeintliche Berghütte befindet sich zwar in der Nähe eines Gipfels, aber der erreicht gerade mal eine Höhe von 134 Metern über dem Meeresspiegel und erhebt sich außerdem hoch im Norden. Genauer gesagt: bei Bad Freienwalde nordöstlich von Berlin.

Ich habe es an dieser Stelle schon einmal geschrieben und schreibe es gern noch einmal: Ich kenne keine andere Metropole auf der Welt außer Berlin, der die Natur so eng auf die Pelle rückt. Wo schon bald jenseits der Stadtgrenzen (und in vielen Fällen sogar innerhalb dieser Grenzen) klare Seen, leere Wälder und allerlei andere Naturschönheiten zu finden sind.

Man fährt eine halbe Stunde oder etwas länger mit dem Zug ins Land Brandenburg und steht in der Einsamkeit. Wobei diese Einsamkeit nicht etwa totale Leere bedeutet, wie die Entdeckung im Forst Sonnenburg bei Bad Freienwalde zeigt. Nach einer längeren Wanderung durch den Wald tauchte die Waldschenke plötzlich vor uns auf und mit ihr der ziemlich verwunschen wirkende Baasee, der gleich nebenan eine Senke füllt. Bei unserem jüngsten Ausflug war es schon ziemlich kalt, der Anstieg war anstrengend gewesen, und so waren der warme Gastraum und der deftige Imbiss uns mehr als willkommen.

Natürlich kann man auch mit dem Auto fahren, eine holprige Straße führt sogar direkt bis zur Waldschenke. Wer jedoch einen berechenbaren Hauch von Abenteuer erleben will, sollte sich lieber mit den niedlichen grüngelben Dieseltriebwagen der Ostdeutschen Eisenbahn in die Weiten Brandenburgs aufmachen (Abfahrt zum Beispiel täglich um 8.44 Uhr in Lichtenberg und um 9.04 Uhr in Bernau, Ankunft um 10.01 Uhr. Weitere Verbindungen unter www.vbb.de).

Nachdem das Züglein mit den bequemsten Polstersitzen des hiesigen Regionalverkehrs einige Sprints auf der Hauptbahn zurückgelegt hat, schaukelt es an Telegrafenmasten und in Sichtweite des Schiffshebewerks Niederfinow vorbei nach Bad Freienwalde.

Durch Altstadt und Kurpark

Dort ist erst eine kurze Durststrecke zurückzulegen, bis man die Altstadt und später den Kurpark erreicht, wo hinter der Klinik der Wanderweg zum Baasee beginnt (Karte unter www.bad-freienwalde.de). In der Waldschenke (telefonisch erreichbar unter T. 033 44/33 09 02) kann man mittwochs bis sonntags zwischen 12 und 18 Uhr einkehren.

Dann geht es gut gestärkt durch den Wald zurück zum Bahnhof Bad Freienwalde, wo zum Beispiel um 18.59 und um 20.59 Uhr Züge nach Berlin fahren. Dann sitzt man wieder auf den weichen Polstersitzen, lässt sich aufwärmen, denkt zurück an einen Ausflug mit einem spektakulären Ziel. Und sieht zu, wie Brandenburg in der Dämmerung verschwindet.