Berlin - In vier Supermarktfilialen in Berlin und Brandenburg ist am Montagmorgen Kokain entdeckt worden. Das Rauschgift war in neun Kisten einer Bananenlieferung versteckt. Der Wert des sichergestellten Rauschgifts liegt bei rund sechs Millionen Euro. Gestreckt ist der Stoff das Doppelte wert, sagte der Sprecher des Berliner Zollfahndungsamtes Norbert Scheithauer am Dienstag der Berliner Zeitung. Der Kokainfund gehört nach Angaben von Zoll und Polizei zu den größten Rauschgiftfällen seit 1978.

Das Kokain stammt aus Kolumbien und kam in einem Seecontainer, der 1150 Bananenkisten enthielt, mit dem Schiff nach Deutschland. Die Drogenfahnder der gemeinsamen Ermittlungsgruppe des Zolls und des Berliner Landeskriminalamts fanden heraus, dass die Bananenlieferung in Hamburg von einem Schiff entladen wurde. Dann übernahm ein Spediteur den Container und brachte ihn zum Großmarkt Beusselstraße in Berlin-Moabit. Von dort wurden die Kisten in Supermarkt-Filialen, darunter Aldi, in Köpenick, Lichtenberg, Reinickendorf, Rahnsdorf sowie ins brandenburgische Velten (Oberhavel) gebracht. Verkäuferinnen bemerkten die bräunlichen Pakete am Montagmorgen und meldeten sich bei der Polizei. „Das war ein absoluter Zufallsfund“, sagte am Dienstag Drogenfahnder Olaf Schremm vom Landeskriminalamt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kokain für den Berliner Markt vorgesehen war.

Hinweise zu den Tätern haben die Fahnder derzeit nicht. Sie vermuten, dass den Lieferanten der bestellten Lieferung Irrtümer bei der Verteilung unterlaufen sind. „Wir gehen von einem logistischen Fehler der Täter aus“, sagte Ermittler Olaf Schremm. In der Regel werden Bananenkisten, in denen sich Drogen befinden, von den Lieferanten markiert, sodass sie von den Verteilern zu erkennen sind. Offenbar war das im jüngsten Fall unterlassen worden.

Zu Einzelheiten der Ermittlungen äußerten sich die Sicherheitsbehörden am Dienstag nicht. Auch Aldi wollte keine Stellungnahme abgeben. Das Unternehmen begründete dies mit den laufenden Ermittlungen. Aus Polizeikreisen hieß es, dass sich der Discounter sehr kooperativ verhalten habe. Zurzeit sind die Sicherheitsbehörden dabei, Frachtbriefe zu kontrollieren und Spuren an und in den Kisten sowie an den Bananen und dem Kokain auszuwerten.

Während ihrer Ermittlungen prüfen die Fahnder auch, ob die Kokainlieferung im Zusammenhang steht mit einem Drogenfund zu Jahresbeginn in Hamburg. Dort waren an Bord eines Frachtschiffes zehn Kilogramm Kokain entdeckt worden. Der Stoff war in einem Lüftungsschacht versteckt gewesen. Die Portionen wurden in einer Sporttasche aufbewahrt. Dieses Kokain hätte im Straßenverkauf einen Wert von rund 65 Euro pro Gramm gehabt.

Für die internationale Rauschgiftmafia ist der jüngste Drogenfund in Berlin kein allzugroßer Verlust, schränken Fahnder ein. In Südamerika werden pro Jahr rund 700 Tonnen Kokain aus Kokablättern produziert. Davon werden 170 bis 200 Tonnen mit Containerschiffen nach Europa geliefert. Der Hafen Rotterdam sei eine Drehscheibe für Drogen aus Südamerika, sagt Sprecher Norbert Scheithauer. Ein weiterer Schmuggelweg führt über die Flughäfen. Die Kokainschmuggler schlucken den Stoff in kondomartigen Latex-Behältern.

In Deutschland reisen die Schmuggler nach Erkenntnissen des Zolls vor allem über die Flughäfen Frankfurt am Main und vereinzelt auch über Berlin-Tegel ein.

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