Wasser-Demo am Wochenende in Berlin auf dem Landwehrkanal.
Foto: dpa/Vincent Bruckmann

BerlinIn Südkorea sehen derzeit viele Schüler aus, als wären sie Fans eines bonbonbunten Fantasy-Films über Engel. Sie tragen im Unterricht große Flügel auf dem Rücken. Der Grund: Die lieblich aussehenden, aber recht sperrigen Dinger sollen sie in Corona-Zeiten daran hindern, anderen Schülern zu nahe zu kommen.

Ähnliches könnte man auch denken, wenn in Berlin eine Demonstration mit Schlauchbooten angesagt ist: Auf dem Wasser ist genügend Abstand. Doch weit gefehlt. Die Bilder vom Wochenende zeigen einerseits ausgelassene Lebensfreude nach Monaten des Zuhausehockens. Andererseits saßen in fast jedem Boot viele Leute. Von Abstand keine Spur.

Natürlich ist bei den nun wieder erlaubten Protesten nicht zu erwarten, dass sie immer so aussehen wie eine ernste Gewerkschaftsdemo. Und offensichtlich hat ein Teil der Jugend auch genug vom Rücksichtnehmen und von der „Krankheit der Alten“. Oft heißt es, dass vor allem jene sterben, die älter als 80 Jahre sind, und dass junge Leute meist nur recht milde Symptome haben. Doch auch junge Leute klagen Wochen nach ihrer Corona-Genesung noch über Mattheit und ähnliches.

Doch darum geht es nicht. Es geht um Demonstrationsfreiheit. Vorbildliche Demo-Bilder gab es kürzlich aus Israel: Dort war kein Gedränge wie bei hiesigen „Hygiene-Demos“, sondern die Teilnehmer standen mit Maske und 1,50 Meter Abstand auf einem zentralen Platz. Es sah sehr ernsthaft aus.

Es ist wichtig in einer Demokratie, dass Demos nun, da die Corona-Zahlen sehr niedrig sind, wieder möglich sind. Doch dieses Grundrecht sollte jetzt nicht dadurch infrage gestellt werden, dass eine Demo aussieht wie eine Loveparade auf dem Wasser. Denn das verunsichert viele und hilft dem eigentlichen Anliegen der Demonstranten recht wenig. Sie stellen sich höchstselbst in die Ecke der Gedankenlosen oder gar der Unverantwortlichen.