Die linksextremistische Szene Berlins plante offenbar weitere Anschläge auf öffentliche Gebäude und auf Polizisten. Bei der Durchsuchung von acht Wohnungen in Berlin fand die Polizei Brandflaschen und größere Mengen illegaler Pyrotechnik. Nach Informationen der Berliner Zeitung handelt es sich dabei um Sprengsätze, die aus sogenannten Polenböllern gebastelt wurden.

Etwa 400 Polizisten durchsuchten am Mittwoch in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln insgesamt acht Objekte von Aktivisten der linksradikalen Szene.

Hintergrund der Razzia sind ein Mordanschlag auf Polizisten und Anschläge auf öffentliche Gebäude. Im Juni waren Beamte in Kreuzberg von Vermummten mit Steinen und Molotow-Cocktails attackiert worden. Ein Brandsatz verfehlte eine Polizistin nur knapp. Ein zweiter traf einen Einsatzwagen, der in Flammen aufging. Die Polizei gründete danach eine Ermittlungsgruppe, die ein Verfahren wegen versuchten Mordes führt.

Die Razzia war auch Bestandteil eines Verfahrens wegen Brandstiftung, Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Unbekannte hatten in der Nacht zum 3. Mai Steine und Farbbeutel auf sieben Jobcenter geworfen und an einem Gebäude Feuer gelegt. Rund 80 Scheiben gingen allein in einem Jobcenter in Tempelhof zu Bruch. Ziel war in jener Nacht auch die SPD-Landesgeschäftsstelle in Wedding.

Sogar Stacheldraht lagerte in der Wohnung

Eines der durchsuchten Objekte ist in einem linken Wohnprojekt in der Rigaer Straße – der „Rigaer 94“, einer europaweit bekannten Hochburg der Hausbesetzerszene. Allein dort waren 300 Beamte im Einsatz. Dieser wurde durch einen Hubschrauber gesichert. Auch Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) standen bereit für den Fall, dass den Polizeibeamten der Zugang zu den Gebäuden erschwert würde.

„In der Rigaer 94 beschlagnahmten wir vorgefertigte Brandsätze und entsprechende Bauteile dafür sowie Stacheldraht“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Die Brandflaschen waren verschlossen und mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt. Zudem entdeckte die Polizei im Haus Bengalfackeln. Mit solcher Pyrotechnik waren in jüngster Zeit verschiedentlich Brandsätze gezündet worden. Nach Angaben von Ermittlern waren die Polenböller, die in der „Rigaer 94“ gefunden wurden, zusammengebunden, um größere Sprengwirkung zu entfalten.

Auch Computer und Handys beschlagnahmt

Bei der Razzia, die bis zum Mittag dauerte, verluden die Beamten an den Durchsuchungsobjekten zahlreiche Kartons mit beschlagnahmtem Material, darunter Computern und Handys. „Alle beschlagnahmten Gegenstände werden nun von den Kriminaltechnikern auf Spuren untersucht“, sagte Redlich. Entgegen ersten Erwartungen kam es nicht zu größeren Protestaktionen der linken Szene. Laut Polizei verlief der Einsatz friedlich. Für 20 Uhr hatte die Szene zu einer unangemeldeten Demonstration durch Kreuzberg mobilisiert. Allerdings folgten nur wenige Menschen dem Aufruf.

Bereits 2012 hatte es einen Anschlag gegeben, bei dem Polizisten in Lebensgefahr gerieten. In Kreuzberg hatten Vermummte eine Bengalfackel in das Innere eines Funkwagens und drei 1,5-Liter PET-Flaschen, die mit Benzin gefüllt waren, gegen das Auto geworfen. Ein weiterer Brandsatz in einer Glasflasche zerschellte an der Autotür und zündete. Die Täter sind ebenfalls noch nicht gefasst. Auch in diesem Fall erhoffen sich die Ermittler durch die Razzia neue Hinweise.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte nach dem Einsatz: „Wir werden alles dafür tun, dass der versuchte Mord an Berliner Polizisten aufgeklärt wird.“ Einiges von dem gefundenen Beweismaterial spreche für eine hohe Gewaltneigung.

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