Berlin - „... einer von uns“, wollen sie sein. Dieser Spruch steht unter ihrem Logo. Tatsächlich sind Filialen von „Lila Bäcker“ in ganz Berlin verstreut. Jetzt aber interessieren sich nicht nur Kuchen-Kunden für die Kette, sondern auch Fahnder: Ex-Chefs sollen sich Sozialversicherungsbeiträge ihrer Mitarbeiter in die eigene Tasche gesteckt haben. Razzia!

Die Bäckereikette machte erst im September Schlagzeilen. Da wurde bekannt, dass Mitarbeiter mit einer Prämie davon abgehalten werden sollen, krank zu werden. Die fragwürdigen Bonus-Zahlungen führten dazu, dass sich Angestellte mit Infekten zur Arbeit schleppten.

Beweismittel in sieben Objekten

Jetzt befürchtet das Unternehmen, das eigentlich aus Mecklenburg-Vorpommern stammt, den nächsten Image-Schaden. 

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat am Mittwoch Wohn- und Geschäftsräume von Mitgliedern der ehemaligen Konzernspitze von „Lila Bäcker“ durchsuchen lassen. Beamte sicherten in sieben Objekten in Berlin, Rostock, Stralsund und Neubrandenburg, auch in Heringsdorf auf Usedom, Beweismittel. 

Anzeige kommt von neuer Firmenleitung

Laut Staatsanwaltschaft wird gegen die ehemaligen Verantwortlichen der Firmengruppe wegen Untreue und dem Vorenthalten sowie dem Veruntreuen von Sozialversicherungsbeiträgen ermittelt. Zur Schadenshöhe und zu den einzelnen Tatvorwürfen äußerte sich die Behörde nicht, weil die Ermittlungen noch laufen.

Die Anzeige gegen Mitglieder der früheren Geschäftsführung aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hatte die neue Firmenleitung gestellt. 

Verschärfter Wettbewerb und gestiegene Kosten

Es besteht der Verdacht, dass vor dem Wechsel Gelder veruntreut und die Unternehmensgruppe dadurch in „erheblichem Maße geschädigt“ worden sei, erklärte ein Sprecher der neuen Firmenleitung in Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald).

Die Bäckereikette hatte Anfang 2018 die Kuchenproduktion in Dahlewitz bei Berlin, Gägelow und Pasewalk geschlossen und nach Neubrandenburg verlagert. Als Gründe wurden ein verschärfter Wettbewerb und gestiegene Kosten genannt. 

Rund 220 von insgesamt 2700 Mitarbeitern erhielten eine Kündigung, wogegen einige von ihnen gerichtlich vorgehen. Die Kette „Lila Bäcker“ hat nach eigenen Angaben rund 400 Filialen in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg.