Berlin - Mit einer Großrazzia ist die Polizei am Donnerstag gegen eine internationale Autoschieberbande vorgegangen. Laut Berliner Staatsanwaltschaft wurden am Morgen in Berlin und anderen Bundesländern vier Haftbefehle gegen zwei deutsche, einen jordanischen und einen polnischen Staatsangehörigen im Alter zwischen 30 und 52 Jahren vollstreckt.

Zudem gab es 18 Durchsuchungen in Berlin, Brandenburg und Niedersachsen. Insgesamt wird gegen 23 Beschuldigte ermittelt. An dem unter Beteiligung von Europol laufenden Einsatz waren in Berlin circa 250 Polizisten beteiligt.

Die Beamten stellten unter anderem acht Autos, ein Motorrad, diverse Datenträger, Spezialwerkzeuge zum Aufbruch von Kfz und zur Überwindung von Wegfahrsperren und Bargeld sowie Drogen sicher.

Polizist soll vertrauliche Informationen verkauft haben

Bereits am Mittwoch wurde am Saatwinkler Damm in Reinickendorf ein 46-jähriger Polizist verhaftet, der seit Frühjahr suspendiert ist. Als die Kollegen ihn verhafteten, nahmen sie auch gleich drei mutmaßliche Autodiebe fest, mit denen er sich gerade getroffen hatte. Nach Informationen der Berliner Zeitung ist der Polizeiobermeister seit 1997 in der Behörde.

Zuletzt war er in einer Brennpunktstreife im für Nord-Neukölln zuständigen Abschnitt 55 eingesetzt. Ihm werden Bestechlichkeit, Vorteilsannahme und Verstoß gegen den Datenschutz vorgeworfen. Er soll vertrauliche Informationen aus dem Polizeilichen Informationssystem an die Kriminellen verkauft haben. „Der Berliner Polizist ist mutmaßlich bandenbeteiligt“, sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Er soll zunächst als Anmelder eines der Fahrzeuge aufgefallen sein.“

Von Ermittlern hieß es, dass der Beamte eine Art Mittler zwischen den Autodieben und den Verschiebern gewesen sei. „Bewahrheiten sich die Vorwürfe, kann es nur eine Option geben: In der Berliner Polizei ist kein Platz für Straftäter“, erklärte Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei.

„Wir prüfen Verbindungen der Tätergruppierung zu arabischen Clans“

Die Ermittlungen erstreckten sich auf das gesamte Bundesgebiet, Frankreich, Belgien, Schweden, die Niederlande, Italien, Österreich, Polen, Litauen und Algerien, aus denen die Beschuldigten stammen. Die gestohlenen Autos, die zumeist hochwertig waren, wurden unter anderem nach Frankreich, Belgien, Schweden, Holland, Italien, Österreich, Polen, Litauen und Algerien verschoben.

Auf einem Autohof am Sachsendamm in Schöneberg wurden am Donnerstag sechs höherwertige Autos wie Audi und Mercedes beschlagnahmt. Dabei wurden Zeugen zufolge die Einsatzkräfte massiv von Mitarbeitern der Firma beleidigt und beschimpft. Durchsuchungen gab es unter anderem auch in Wohnungen in der Stralauer Allee in Friedrichshain und in der Keithstraße in Schöneberg.

„Wir prüfen Verbindungen der Tätergruppierung zu arabischen Clans“, sagte ein Polizeisprecher. Nach Angaben eines Ermittlers haben Mitglieder der Bande Kontakte zu einer palästinensischstämmigen und einer kurdisch-libanesischen Großfamilie.

Gefälschte Zulassungen aus verschiedenen Ländern

Die Abteilung organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft Berlin leitete die Ermittlungen im November 2017 ein, nachdem es auffällige Zulassungen von zuvor unter anderem in Berlin und Brandenburg entwendeten Pkw auf unterschiedliche in Verbindung stehende Falschpersonalien in Berlin und im Landkreis Oberhavel (Brandenburg) gab.

Die Ermittlungen ergaben, dass zur Zulassung der Autos neben totalgefälschten slowenischen und österreichischen Personaldokumenten auch ge- und verfälschte Zulassungsbescheinigungen aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Schweden genutzt worden sind.