Berlin - 340 Polizisten, dazu Staatsanwälte, Steuerfahnder und Experten des Bundeskriminalamtes sowie Mitarbeiter von Zoll und dem Bezirksamt Neukölln: Mit einem Großaufgebot ist die Polizei in der Nacht zu Donnerstag nach Neukölln und Mitte ausgerückt. Das Ziel: Juweliere, Reisebüros, Shishabars sowie Sportcafés. War der Einsatz tatsächlich ein Schlag gegen die Organisierte Kriminalität? Oder doch eher eine reine Show-Veranstaltung?

Das zumindest sagt Thomas Spaniel von der Gewerkschaft der Polizei. "Selbstverständlich", so Spaniel, könne man "den polizeilichen Nutzen einer solchen Showveranstaltung in Frage stellen". Dennoch sei es im Kampf gegen arabische Clans "wichtig, als Rechtsstaat immer wieder Stärke zu zeigen  und sie regelmäßig aus ihrer Wohlfühlatmosphäre herauszuholen". Denn anders als anderen Vertreten der Organisierten Kriminalität gehe es den Clan-Mitgliedern "um die öffentliche Zurschaustellung. Und da schadet es auf keinen Fall, ihnen auch öffentlich Grenzen aufzuzeigen“, so Spaniel weiter.

FDP-Politiker: "Zweifelhafter PR-Termin"

Auch im Abgeordnetenhaus sind derartige Einsätze umstritten. "Statt die Kriminalität an der Geldquelle - im Drogenhandel und der illegalen Zwangs- und Straßenprostitution - zu bekämpfen, veranstaltet der Innensenator einmal mehr zweifelhafte PR-Termine unter immensem Personalaufwand - mit Polizisten, die im Görlitzer Park wie der Kurfürstenstraße fehlen", sagte Marcel Luthe, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, dieser Zeitung. Die Polizei sei "kein PR-Mittel - das sollte Herr Geisel eigentlich von seinem Vorgänger gelernt haben."

Anwesende Gäste bleiben völlig unbeeindruckt

Ob sich die Clan-Mitglieder und deren Anhänger von derlei Aktionen beeindrucken lassen, bleibt ohnehin fraglich. So blieben viele Gäste der am Mittwochabend durchsuchten Lokalitäten demonstrativ lässig an ihren Tischen sitzen, spielten seelenruhig Karten, unterhielten sich und lachten - während um sie herum Einsatzkräfte Bücher prüften, Schubladen durchsuchten und vereinzelt auch verdächtige Gegenstände beschlagnahmten. „Bei den Kontrollen geht es unter anderem um die Einhaltung des Jugendschutzes und Zollvergehen“, sagte Polizeisprecher Winfrid Wenzel. Die Beamten hielten Ausschau nach unversteuertem Shisha-Tabak. Auch das Thema Schwarzarbeit, illegale Kreditvergabe und Geldwäsche spielte bei dem Einsatz eine Rolle.

Auch Berlins Innensenator Andreas Geisel und Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (beide SPD) erschienen am Ort des Geschehens, um sich ein Bild zu machen. Beide unterhielten sich mit mehreren der eingesetzten Beamten. Gegenüber Journalisten sagte Geisel am Abend, man wolle den Clans soviel "Ärger, Angst und Eindruck wie möglich machen".

Einsatz wird jetzt ausgewertet

Inwiefern das aktuell gelungen ist, kann noch nicht gesagt werden. Zwar hieß es vor Ort, dass "mögliches Beweismaterial" beschlagnahmt worden sei, auch von einigen Festnahmen war die Rede. Da die Einsatzauswertung aber noch läuft, gab es hierfür zunächst keine offizielle Stellungnahme. Im Laufe des Donnerstags soll eine erste Bilanz bekanntgegeben werden.