Berlin - Es ist der bisher größte Schlag gegen die rechte Hooliganszene in Brandenburg. Ein Großaufgebot der Polizei hat am Mittwoch  mehr als 30 Wohnungen rund um Cottbus, in Berlin, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern durchsucht. Die Razzia richtete sich gegen die rechtsextreme Fußballfanszene von Energie Cottbus. Im Fokus der Ermittlungen steht nach Informationen der Berliner Zeitung ein Netzwerk aus Hooligans,   Neonazis, Kampfsportlern und Rockern, das zur Ultra-Gruppierung Inferno Cottbus 99 gehören soll.

Die Verdächtigen wurden vor Sonnenaufgang überrascht. Ab 5 Uhr morgens öffneten Beamte der Bereitschaftspolizei mit Unterstützung von Spezialeinheiten die Wohnungs- und Bürotüren von etwa 20 Verdächtigen. Es wurden Beweismittel gesichert. Festnahmen gab es nicht.  

Wohnungen in Marzahn und Lichtenberg durchsucht

Auch in Berlin wurden zwei Wohnungen in den Bezirken Marzahn und Lichtenberg durchsucht.  Es geht um den Verdacht der Gründung einer kriminellen Vereinigung von mutmaßlichen Rechtsextremisten, erklärte ein Polizeisprecher. Nach Angaben der Polizei  soll es um Straftaten wie Körperverletzung, Bedrohung, Waffen- und Drogenbesitz sowie das Verwenden von verfassungsfeindlichen Symbolen gehen.  Auch Journalisten, Flüchtlingshelfer und Fans anderer Fußballvereine seien von Mitgliedern von Inferno Cottbus 99 bedroht und angegriffen worden. „Wir haben Probleme mit Rechtsextremismus und den Strukturen“, sagte ein Sprecher der Stadt Cottbus, Jan Gloßmann, am Mittwoch. Der Raum Cottbus ist aus Sicht des Verfassungsschutzes der „Hotspot“ des Rechtsextremismus in Brandenburg. „Es ist für uns als Verfassungsschutz ein toxisches Gebilde“, sagte der Referatsleiter Öffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Brandenburg, Heiko Homburg, Anfang des Jahres dem RBB.

Mafiöse Strukturen: Rund 400 Rechtsextreme im Raum Cottbus

Das rechtsextremistische Potenzial liege im Raum Cottbus bei etwa 400 Personen, in Cottbus selbst bei 170, sagte Verfassungsschutzchef Frank Nürnberger im Februar. Die rechtsextreme Szene sei vielschichtig. Sie reiche vom Rockermilieu über die Türsteher-Szene bis hin zu Sicherheitsfirmen. Wirtschaftliche Grundlage für Mitglieder der Szene sind zum Beispiel Tattoo-Studios oder Shops, die rechte Modelabel oder Fitnesspräparate verkaufen.

Die Ermittlungen gegen die Ultragruppierung „Inferno Cottbus 99“ laufen seit April 2018. Es ist von „mafiösen Strukturen“ und  „Verbindungen zum organisierten Verbrechen“ die Rede, heißt es aus Polizeikreisen. Auch die Ausschreitungen in Chemnitz im Sommer des vergangenen Jahres seien unter anderem auf Aktivitäten dieses Netzwerks zurückzuführen, heißt es. Zudem war es beim Fußball-Regionalligaspiel des SV Babelsberg gegen Energie Cottbus im April 2017 zu massiven Ausschreitungen gekommen. Cottbuser Ultras hatten den Hitlergruß gezeigt,  „Arbeit macht frei“-Parolen  gerufen  und den Fußballplatz gestürmt.

Cottbusser Anwohner und Fußballfans kritisieren schon länger, dass die Behörden jahrelang nicht gezielt gegen die Gruppierung vorgegangen seien. Bei der Polizei heißt es, dass es schwierig sei, Straftaten nachzuweisen. Zeugen seien regelmäßig eingeschüchtert und bedroht worden.  Viele Bürger und Stadionbesucher hätten Angst vor der Ultragruppierung Inferno, hieß es.