Einsatzkräfte der Polizei führen einen Tatverdächtigen in Mitte ab.
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BerlinAm frühen Dienstagmorgen schlugen die Fahnder zu: Sie durchsuchten Wohnungen, Nagelstudios und kleine Geschäfte. Schwerpunkt der bundesweiten Razzia gegen vietnamesische Menschenhändler war Berlin, konkret die Bezirke Lichtenberg, Friedrichshain und Mitte. Insgesamt 22 Objekte standen in der Hauptstadt auf der Liste der Bundespolizei, sechs Haftbefehle sollen nach Ermittlerangaben vollstreckt worden sein.

Auch in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern griffen die rund 700 Einsatzkräfte zu. Die Ermittlungen richten sich gegen 13 Beschuldigte. Zudem trafen die Ermittler 30 Personen an, bei denen zunächst unklar war, ob sie sich rechtmäßig in Deutschland aufhalten. Sie wurden vorläufig festgenommen.

Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt seit Juni 2019

Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten nach Polizeiangaben umfangreiches Beweismaterial fest, darunter Datenträger und weitere Unterlagen. Seit Juni 2019 ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen die international agierende Schleuserbande. Mindestens 155 Vietnamesen sollen so nach Deutschland geschmuggelt worden sein.

Bis zur Zahlung des Schleuserentgelts für Flug und Visum, das nach Experteneinschätzung zwischen 5000 und 20.000 Dollar liegt, seien „die Eingeschleusten durch das Netzwerk in einem sogenannten Safehouse festgehalten und ihnen der Zugriff auf ihr persönliches Hab und Gut verwehrt“ worden, so ein Polizeisprecher. Die Gelder seien nach der Schleusung in Vietnam angezahlt worden, in den meisten Fällen offenbar von Familienangehörigen.