Der Polizeieinsatz am Sonnabend im Berliner Club „Mensch Meier“ ließ die Wellen der Empörung hochschlagen. Die Polizeipräsidentin musste sich wegen des "brutalen Überfalls" rechtfertigen, weil gemutmaßt wurde, die Polizei habe absichtlich einen Soli-Abend für Flüchtlingshelfer sprengen wollen.

Als Zollbeamte das „Mensch Meier“ in Prenzlauer Berg auf Schwarzarbeit kontrollieren wollten, waren sie auf massive Gegenwehr des Türstehers gestoßen.  Mehrmalige Aufforderungen der Polizei, die Tür zu öffnen, habe er ignoriert. Der Türsteher, der den Angaben zufolge „polizeibekannt“ ist, soll schließlich sechs Polizeibeamte mit Reizgas verletzt haben.

Nach Informationen der Berliner Zeitung ist der Türsteher ein Bewohner des linken Autonomenprojektes Rigaer Straße 94. Der 42-jährige Marek M., der in der linksradikalen Szene "Isa" genannt und wird und zum Märtyrer stilisiert wurde, soll auch Türsteher in der Autonomenkneipe „Kadterschmiede“ in der Rigaer Straße 94  gewesen sein. Er wurde im September 2018 vom Amtsgericht Tiergarten für mehrere Gewalttaten zu anderthalb Jahren Haft verurteilt - wegen gefährlicher Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf Polizisten sowie Bedrohung und Beleidigung.

Das Urteil ist nach Angaben einer Gerichtssprecherin allerdings noch nicht rechtskräftig, weil seine Anwälte dagegen Berufung beim Landgericht einlegt hätten.

Im April 2017 soll der Bewohner der „Rigaer 94“ einen Mann mit einem Fausthieb k.o. geschlagen haben. Im März 2018 soll er vor einer Bäckerei in der Rigaer Straße einen 54-Jährigen verprügelt und schwer verletzt haben. Einige Tage später soll er einen Polizisten attackiert haben. Als er Ende März festgenommen wurde, waren mehr als 350 Polizeibeamte im Einsatz – aus Sorge vor Krawallen, die bei Einsätzen gegen die „Rigaer 94“ stets drohen.

Während „Isa“ in Untersuchungshaft saß, formierte sich für ihn eine Soligruppe. Immer wieder gab es entsprechende Aktionen: Vor dem Amtsgericht veranstalteten Sympathisanten lautstarke Proteste. Zeugen der Tat wurden als Denunzianten und Spitzel des Verfassungsschutzes verunglimpft, ihre Namen und Adressen im Internet veröffentlicht. Eine Gruppe von Unterstützern tauchte plötzlich in der Justizverwaltung auf, verstreute Flugblätter und bedrohte einen Referatsleiter.

Polizisten beschlagnahmen Teleskopschlagstock und Reizgasflasche

„Isas“ Unterstützer argumentieren, dass die Anklage konstruiert sei. Sie sprechen von einer „Strategie der Kriminalisierung“, die in dem Versuch von Spaltung, Entpolitisierung und Individualisierung bestehe. Diese äußere sich darin, die Rigaer 94 politisch zu diffamieren.

Jetzt ermittelt die Polizei erneut gegen Marek M. wegen gefährlicher Körperverletzung. Nachdem Polizisten ihn am Sonnabend überwältigt hatten, fanden sie bei ihm einen Teleskopschlagstock. Seine 400-Milliliter große entleerte Reizgasflasche wurden beschlagnahmt.