Berlin - Eine Schleuserbande soll syrische Staatsangehörige über Polen nach Deutschland eingeschleust haben. Ein Goßaufgebot von Bundespolizei und polnischem Grenzschutz hat am Mittwoch 22 Durchsuchungsbeschlüsse in Deutschland und Polen vollstreckt. Der Schwerpunkt des Einsatzes lag in Berlin, wo eine Frau und ein Mann festgenommen wurden. Nach einem Tatverdächtigen wird noch gefahndet, so eine Sprecherin der Bundespolizei. Weitere Durchsuchungen fanden in Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Baden Württemberg und Bayern statt. Bei dem Einsatz waren rund 170 Beamte der Bundespolizei im Einsatz.

26-jährige Polin festgenommen

Insgesamt sollten sechs Haftbefehle vollstreckt werden - drei in Berlin und drei in Polen. Eine 26 Jahre alte polnische Frau mit syrischen Wurzeln wurde in einer Wohnung an der Angerburgerallee in Charlottenburg verhaftet. Fast zeitgleich wurde in Weißensee ein 40 Jahre alter Syrer verhaftet. Der dritte Tatverdächtige ist weiterhin auf der Flucht. Die Beamten beschlagnahmten zahlreiche Beweismittel, darunter Computer, Handys und elektronische Speichermedien.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, syrische Staatsangehörige, vornehmlich aus den Golfstaaten über Polen nach Deutschland eingeschleust zu haben. Für die Einreise wurden mittels falscher Angaben polnische Touristenvisa erschlichen. Nach Angaben der Bundespolizei erfolgte die Einreise mit dem Flugzeug nach Polen und von dort mit Zügen und Autos nach Deutschland, wo durch die Geschleusten regelmäßig Asylanträge gestellt wurden.

Pro Person verlangten die Schleuser rund 8000 Euro

Für die Schleusungen wurden pro Person rund 8000 Euro verlangt, womit die Bande nach gegenwärtigem Ermittlungsstand über 300.000 Euro verdient haben soll. "Teilweise übten die Schleuser erheblichen Druck auf die Migranten zur Begleichung des Schleuserlohnes aus", erklärt ein Sprecher der Bundespolizei.

Die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle führt seit Frühjahr 2017 im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin ein Strafverfahren gegen die Angehörige eines polnisch-syrischen Familienverbandes wegen des Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern. Den Ausgangspunkt der Ermittlungen bildeten Berichterstattungen in den Fernsehmagazinen „Fakt“ der ARD und „Exakt“ des Mitteldeutschen Rundfunks im Februar 2017.

Da die Täter sowohl in Polen als auch von Deutschland aus agierten und die Einschleusungen stets mit dem Ziel Bundesrepublik erfolgten, wurden die Ermittlungen ab Sommer 2017 gemeinsam mit dem Grenzschutz der Republik Polen innerhalb einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe auf
Grundlage des deutsch-polnischen Polizeivertrages geführt.

Mit falschen Personalien Asyl beantragt?

Neben dem Vorwurf des banden- und gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern wird gegen mehrere Beschuldigte auch wegen des Verdachts des Sozialbetrugs und missbräuchlicher Asylantragsstellung ermittelt. So werden einige Mitglieder des Familienverbandes mit syrischer
Abstammung und polnischer Staatsbürgerschaft verdächtigt, sich unter abweichenden Personalien in Deutschland als politisch verfolgte Asylbewerber angemeldet zu haben.

Der Leiter der ermittlungsführenden Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle, Polizeioberrat Markus Pfau, sagte zu dem Einsatz: "Irreguläre Migration nach Deutschland findet auch und mit großem organisatorischen Aufwand auf dem Luftweg statt. Die Schleuser verdienen auf Kosten der Asylsuchenden sehr gut daran. Mit unseren heutigen Maßnahmen gehen wir einmal mehr offensiv gegen diese Täterstrukturen vor. Dabei hat sich die internationale polizeiliche Zusammenarbeit mit Polen einmal mehr bewährt."