Razzia in Berlin: Islamisten sind vorbestraft oder Wachmann bei Flüchtlingseinrichtung

Berlin - Nach der Razzia gegen das Salafisten-Netzwerk „Die wahre Religion“ stapeln sich im Berliner Landeskriminalamt die Kartons mit beschlagnahmten Beweismitteln. Voraussichtlich am Dienstag noch wird der Staatsschutz damit beginnen, im Auftrag des Bundesinnenministeriums die Unterlagen auszuwerten. Darunter sind Datenträger wie Computer, Mobiltelefone und CDs. Nach Informationen der Berliner Zeitung entdeckten die Polizisten auch Schreckschussmunition sowie nach dem Waffengesetz verbotene Gegenstände und Drogen.

An 18 Orten in Berlin hatten Polizisten um 6.30 Uhr zeitgleich mit Durchsuchungen von Wohnungen und Büros begonnen. Die Durchsuchungen  fanden nach Angaben eines Polizeisprechers in den Bezirken Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, Reinickendorf, Mitte, Charlottenburg und Hohenschönhausen statt.

Festnahmen gab es nicht. Insgesamt waren 200 Beamte an der Großrazzia beteiligt. Sie beschlagnahmten auch das Vermögen des Vereins „Die wahre Religion“.

Die Razzia erfolgte im Zusammenhang mit dem bundesweiten Verbot des Vereins, der seit Jahren  auf den Straßen Koran-Verteilungen im Rahmen der „Lies!“-Kampagne organisierte. Auch in neun weiteren Bundesländern gab es Razzien.

Auch deutschstämmige Konvertiten dabei

In der Hauptstadt richtete sich der Polizeieinsatz gegen Rädelsführer und Aktivisten der „Lies!“-Kampagne. Ihnen  überreichten die Polizisten die Verbotsverfügungen. Die meisten sind türkischer und arabischer Herkunft. Einige von ihnen sind deutschstämmige Konvertiten. 

Manche haben eine kriminelle Vorgeschichte, wie etwa ein 24-Jähriger aus dem Norden Neuköllns, bei dem Polizisten am Morgen die Wohnungstür einrammten. Nach Informationen dieser Zeitung ist der in Berlin geborene und hier zur Hauptschule gegangene Muhammed El-M. mehrfach wegen Raubes vorbestraft.

Semsettin E. war Wachschützer

Semsettin E., ein anderes Mitglied des nun verbotenen Vereins, arbeitete – wenn er keine Korane verteilte –  als Wachschützer. Der in der ost-anatolischen Provinz Mardin geborene 24-jährige Kurde soll unter anderem an der Zentralen Anlaufstelle für Flüchtlinge am Lageso eingesetzt gewesen sein. In seiner Moabiter Wohnung brachen Polizisten am Morgen ebenfalls die Tür auf. Eine Nachbarin bezeichnet ihn als „einen ganz normalen jungen Mann“. Er sei ein zuvorkommender Mensch.  

„Für meinen Geschmack ist er zu religiös“, sagt sie, fügt aber an, dass sie finde, dass gläubig sein eine Geschmacksfrage sei und nicht verboten gehören soll. „Dass Wohnungen von Menschen früh morgens von der Polizei aufgebrochen werden, erinnert an Zeiten aus dem Nationalsozialismus“, findet sie. „Man hätte ihn ja auch vorladen können.“

An der Tür des Lies-mich Koran-Verteilers hängt das Glaubensbekenntnis des Islam (Schahada), arabische Schriftzeichen und darunter ein waagerechtes Schwert.