Bei einem Großeinsatz gegen Terrorverdächtige hat die Berliner Polizei am Freitagmorgen zwei Türken festgenommen. Die 41 und 43 Jahre alten Festgenommenen und drei weitere Männer stehen laut Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei im Verdacht, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Syrien vorbereitet zu haben. Sie hätten auch für die Terrormiliz Islamischer Staat geworben. Es lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sie Anschläge in Deutschland geplant hätten, sagte ein Polizeisprecher.

Einer der beiden in Berlin festgenommenen Terrorverdächtigen stand unmittelbar vor der Ausreise nach Syrien. „Wir haben bei den Durchsuchungen Flugtickets für diese Reise gefunden und beschlagnahmt“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Dabei habe es sich um den 41-jährigen Ismet D. gehandelt. Deshalb habe die Polizei am Freitag gehandelt, sagte Redlich. Auch in Wolfsburg haben Beamte am Donnerstag einen mutmaßlichen Dschihadisten festgenommen.

Durchsucht wurden im Auftrag des Berliner Generalstaatsanwalts elf Wohnungen - vor allem in den Stadtteilen Moabit und Wedding, aber auch in Charlottenburg und Schöneberg. Auch in einen Moschee-Verein in der Perleberger Straße nahe des Bahnhofs Westhafen drangen die Beamten ein. Erst im November war der Moscheeverein in die Räumlichkeiten gezogen, zuvor war dort eine Moschee der türkischen Vereinigung Ditib. Mit dem neuen Mieter habe sich die Klientel dort deutlich verändert, sagte ein Anwohner: "Plötzlich tauchten hier viele Araber, Pakistani und Tschetschenen auf."

Im Einsatz waren am Freitagmorgen 250 Beamte und drei Spezialeinsatzkommandos. Bereits seit Monaten hatten die Generalbundesanwaltschaft Berlin und der polizeiliche Staatsschutz in dem Fall ermittelt.

Die beiden in Berlin festgenommenen mutmaßlichen Islamisten Ismet D. und der für Finanzen zuständige 43-jährigen Emin F. sollen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Kern einer Logistikzelle für terroristische Aktivitäten gewesen sein. Ihnen wird vorgeworfen, Kämpfer rekrutiert, fanatisiert und bei der Ausreise nach Syrien unterstützt zu haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Die Gruppe, zu der drei weitere Männer mit „untergeordneter Tatbeteiligung“ gerechnet werden, soll Nachtsichtgeräte, Geld und Flugtickets besorgt haben.

Dem 41-Jährigen Ismet D. wird vorgeworfen, als selbsternannter „Emir“ und sogenannter „Weisenratspräsident“ eine Islamistengruppe in Berlin-Tiergarten anzuführen. Sie soll vornehmlich aus Türken und russischen Staatsangehörigen tschetschenischer und dagestanischer Herkunft bestehen. D. steht im Verdacht, die Gruppe durch einen von ihm abgehaltenen „Islamunterricht“ radikalisiert und auf die Teilnahme am Dschihad gegen „Ungläubige“ in Syrien vorbereitet zu haben.

Ismet D. war zeitweilig der Arbeitgeber des Syrienrückkehrers Murat S., der im September 2014 in Berlin festgenommen worden war - wegen des dringenden Verdachts der Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Vor seiner Ausreise war er regelmäßiger Teilnehmer am „Islamunterrichten“.

Zu der Festnahme der zwei mutmaßlichen Islamisten in Berlin äußerte sich der CDU-Politiker Frank Henkel am Freitag in einer Mitteilung: „Solche Einsätze zeigen, dass wir die Szene im Blick haben und Druck ausüben.“ Die Festnahmen seien kein Zufall gewesen. „Das war gute Arbeit.“ Henkel sprach von einer Herausforderung für die innere Sicherheit. „Die Sicherheitsbehörden sind aus gutem Grund wachsam“.

Bereits wenige Tage zuvor erklärte der Chef des Berliner Verfassungsschutzes, Bernd Palenda, es werde derzeit nicht mit einem Rückgang bei der Rekrutierung junger Islamisten in Deutschland gerechnet. „Solange die Terrorgruppe IS in Syrien als siegreiche Struktur von Jugendlichen wahrgenommen wird, so lange kann das eine anziehende Wirkung auf sie haben“. (BLZ/dpa/afp)