Berlin - Mit einem massiven Aufgebot ist die Bundespolizei gegen den organisierten Taschendiebstahl an Bahnhöfen vorgegangen. Polizisten vollstreckten am Mittwoch und Donnerstag insgesamt elf Haftbefehle gegen mutmaßliche Mitglieder einer Bande, die rund 150.000 Euro erbeutet haben soll.

Europaweite Haftbefehle

Nach sechs weiteren Kriminellen wird europaweit mit Haftbefehl gefahndet. Insgesamt ermitteln die Bundespolizei und die Berliner Staatsanwaltschaft gegen 44 mutmaßliche Bandenmitglieder im Alter zwischen 18 und 45 Jahren.

Mehrere Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckten Bundespolizisten am Donnerstagmorgen am Stuttgarter Platz in Charlottenburg in einem Hotel und zwei Bars, in denen die Täter regelmäßig ihre „Mittagspause“ verbrachten. In der Toilette einer der Bars fanden Polizisten in einem Spülbecken eine gestohlene Brieftasche mit Ausweisen.

In der anderen Bar fanden sie eine gestohlene Handtasche. Bei der Durchsuchung des Hotels verhafteten die Beamten einen gesuchten Mann. Sie beschlagnahmten Ausweise, Portemonnaies und Überweisungsträger. Zudem wurde der Haftbefehl für einen Komplizen, der bereits wegen anderer Delikte in Haft sitzt, verlängert.

Drei weitere Angehörige der Bande vom Stuttgarter Platz – zwei Männer und eine Frau – wurden bereits am Mittwochabend am Grenzübergang Breitenau gefasst, als sie versuchten, nach Tschechien auszureisen. Bei ihnen fand man 670 Euro und Handys. Die Polizei glaubt, dass es Diebesgut ist. Insgesamt waren bei der Razzia 233 Beamte im Einsatz, inklusive eines Polizeihubschraubers, der über dem Stuttgarter Platz kreiste.

Täter hatten klare Anweisungen

Auch in Rumänien gab es einen Großeinsatz, bei dem die dortige Polizei fünf Männer und eine Frau verhaftete. Sie durchsuchte zehn Objekte in der südwestrumänischen Stadt Craiova. „Die Täter hatten klare Anweisungen, wie viel sie zu erwirtschaften haben“, sagte Markus Haustein, Leiter des Ermittlungsdienstes der Bundespolizeiinspektion

Kriminalitätsbekämpfung, der Berliner Zeitung. Seine Ermittler wiesen der Bande seit April 197 Taten nach. Einem der Verdächtigen ordneten die Polizisten 35 Diebstähle zu. „Wir haben durch intensive Ermittlungen versucht, die Strukturen aufzudecken und waren an den Beschuldigten mit Videotechnik und Fahndungskräften dran“, so Haustein.

Rolltreppen-Trick

Die Täter wandten Tricks an, wie sie seit Jahren üblich sind: etwa den Rolltreppen-Trick. Einer drückt den Notknopf, die Treppe hält ruckartig. Die Menschen drängeln sich, währenddessen zieht ein Täter die Brieftasche eines Opfers und reicht sie an einen anderen weiter, während ein Komplize abschirmt. Die Beschuldigten bedienten sich auch des uralten Stadtplan-Tricks, indem sie ein Opfer ablenken, um an Brieftasche oder Smartphone zu kommen.

Und: Es gab den Nachläufer-Trick. Die Täter laufen Leuten hinterher, die vor allem mit sich selbst zu tun haben. Weil sie alt oder gebrechlich sind oder weil sie viel Gepäck zu tragen haben. Ohne dass sie es bemerken, öffnen die Diebe die Reißverschlüsse der Taschen.

Die erlangte Beute wurde unmittelbar nach der Tat bei Transfer-Dienstleistern wie Western Union eingezahlt und nach Rumänien geschickt. Über die Transferwege hoffen die Ermittler nun, an die Hintermänner in Rumänien heran zu kommen. Bei einer Verurteilung drohen den Tätern sechs Monate bis zehn Jahre Haft.