Razzia in Friedrichshain: Ex-Grünen-Politiker soll Drogen im Darknet verkauft haben

Ein ehemaliger Grünen-Politiker aus Friedrichshain-Kreuzberg soll im Internet einen florierenden Versandhandel für Drogen betrieben haben. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei stürmte am Dienstagmorgen in Friedrichshain die Wohnung des 40-jährigen Boris J.

Seit Oktober 2013 soll er über das sogenannte Darknet synthetische Drogen verkauft haben. Das Berliner Landeskriminalamt und die Kriminalinspektion Oldenburg stellten insgesamt 6.500 Einzelverkäufe fest. Darunter seien rund 34.200 Ecstasy-Tabletten, 7.000 LSD-Trips und weitere Drogen gewesen, teilte die Polizei mit. Die Drogen soll der Verdächtige dann in getarnten Verpackungen als Musik-CDs verschickt haben.

Fünf weitere Anschriften untersucht

Zuerst aufgefallen waren die Berliner Postsendungen in Oldenburg, weshalb die dortige Kriminalinspektion anfing zu ermitteln. Der Fall weitete sich immer mehr aus, schließlich führte die Spur nach Berlin. Fahnder eines Mobilen Einsatzkommandos begannen Boris J. zu observieren, die Ermittler hörten dessen Telefone ab.

Ein Richter erließ schließlich Haftbefehl gegen Boris J. Gegen 10 Uhr stürmten dann die Polizisten am Dienstag seine Wohnung in der Kopernikusstraße. Bei der Durchsuchung  wurden mehrere Computer, Handys, Kontounterlagen sowie Briefmarken und Bargeld sichergestellt. Die Beamten durchsuchten in Berlin noch fünf weitere Anschriften, weil sie vermuteten, dass dort weitere Drogen gelagert wurden.

Wo kamen die Drogen her?

„Ob er Komplizen hatte, ist jetzt Gegenstand der Ermittlungen“, sagte ein Polizeisprecher. „Besonders interessiert uns, wo er die Drogen, die er verkaufte, herbekam.“

Boris J. war bis etwa 2010 im Kreisvorstand der Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg. Aus beruflichen Gründen habe er die Partei dann verlassen, berichten ehemalige Mitstreiter. Der Vater von mindestens zwei Kindern galt in der Partei als offen, herzlich und engagiert. Zuletzt soll er als Eventveranstalter gearbeitet haben. Am Mittwoch soll Boris J. dem Ermittlungsrichter zur Verkündung des bestehenden Haftbefehls vorgeführt werden.