BerlinNach den Festnahmen im Fall des Juwelendiebstahls im Grünen Gewölbe in Dresden sind zwei Verdächtige noch immer auf der Flucht: Bei ihnen handelt es sich nach Angaben der Polizei um die Zwillinge Abdul Majed Remmo und Mohamed Remmo (21). Einer der beiden könnte mit einem grauen Renault Megane (B-HB 306) neuerer Bauart unterwegs sein. Hinweise zu den Flüchtigen nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Gegen die drei am Dienstagmorgen in Berlin festgenommenen Männer hat ein Richter inzwischen Haftbefehl erlassen. „Den Beschuldigten wird schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung in zwei Fällen vorgeworfen. Sie haben sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden.

Mehr als 1.600 Polizisten – darunter Spezialeinheiten aus mehreren Bundesländern und zahlreiche Bereitschaftspolizisten aus Sachsen – hatten am Dienstagmorgen in Berlin 20 Wohnungen, zwei Garagen, ein Café sowie mehrere Fahrzeuge durchsucht. Die Beamten beschlagnahmten unter anderem Computer, Handys und andere Datenträger. Die Auswertung nehme einige Zeit in Anspruch, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Die gestohlenen Kunstschätze wurden bislang nicht aufgefunden.

Derweil wird innerhalb der arabischstämmigen Großfamilien in Berlin die Erzählung kolportiert, dass man schon seit einer Woche die Polizei erwartet habe. „Jeder, der zu Hause irgendwas hatte, hat es in Sicherheit gebracht“, sagte ein Familienmitglied der Berliner Zeitung. „Deshalb wurden keine Waffen, Uhren oder teuren Wertgegenstände gefunden.“ Die Angehörigen des betroffenen Clans sollen angeblich bemerkt haben, wie sie von Beamten in Zivil observiert wurden: „Zum Beispiel immer dasselbe Auto, drin ein angeblich verliebtes Ehepaar, hinten ein Kindersitz mit einer Puppe drauf“, behauptet einer.

Foto: Polizei
Die Zwillinge Abdul Majed (l.) und Mohamed Remmo.

Ob diese Geschichten stimmen, ist unklar. „Sie stimmen nicht“, sagt Thomas Geithner, Sprecher der Dresdner Polizei. „Sonst hätten wir nicht drei Festnahmen gehabt. Solche Bekundungen sehe ich nicht als realistisch an.“

Nach der Festnahme ist die Sicherheit der Museen erneut ins Blickfeld gerückt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte: „Die brachiale Gewalt und das hochprofessionelle Vorgehen der Täter haben uns schmerzlich vor Augen geführt, vor welch großen Herausforderungen unsere Museen beim Thema Sicherheit stehen – insbesondere mit Blick darauf, dass auch in diesem Fall die Spuren offenkundig in Richtung organisierte Clan-Kriminalität weisen.“

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hätten gemeinsam mit der Polizei den Einbruch genau ausgewertet, erklärte Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU). Es seien „umfangreiche Maßnahmen“ zum Schutz des Historischen Grünen Gewölbes ergriffen worden. „Daran arbeiten wir ganz umfassend weiter, auch mit der international besetzten Expertenkommission“, so Klepsch. Wie schon die Generaldirektorin der Kunstsammlungen äußerte sich auch die Ministerin zuversichtlich: „Jetzt endlich dürfen wir Hoffnung haben, die gestohlenen Juwelen zurückzubekommen. Sie haben nicht nur einen unschätzbaren materiellen Wert, sondern auch einen hohen ideellen Wert für unsere Kultur.“

Allerdings gehen, wie berichtet, Kunstexperten davon aus, dass die Täter die gestohlenen Preziosen bereits zerstört und die vielen einzelnen Diamanten haben umschleifen lassen, damit sie nicht mehr am Schliff als die von Dresden zu erkennen sind.