Berlin/Potsdam - Punkt 6 Uhr haben am Mittwoch Polizisten in Berlin und Brandenburg an 60 Vereins- und Wohnungstüren von Rockern geklingelt. Diesmal galt das Interesse der 650 Schutzleute Mitgliedern der Clubs Gremium und in Brandenburg auch den Männern der Hells Angels. Zu den Durchsuchungen in Berlin und mehreren Orten Brandenburgs waren auch Angehörige des Spezialeinsatzkommandos (SEK) sowie der GSG 9 der Bundespolizei angerückt. Beweismittel seien sichergestellt worden, teilte die Polizei mit. Wo genau durchsucht wurde, verriet die Polizei nicht.

Die Razzia galt vor allem dem Regionalverband Gremium Motorcycle Club (MC) Sachsen, der seit Mittwoch verboten ist. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) begründete seine Entscheidung damit, dass der Zweck und die Tätigkeit des Clubs den Strafgesetzen zuwider laufen. Von den Vereinen des Verbandes gehe eine schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit aus, so der Minister. Mit dieser Entscheidung wurde erstmals die Auflösung eines kompletten Regionalverbands von Rockern verfügt. Die Sicherheitsleute wollten nun bei ihrer Razzia wissen, wie das Verbot eingehalten wird.

Innenminister Brandenburgs Dietmar Woidke (SPD) nutzte die Gunst der Stunde und verbot in seinem Land die Vereine Hells Angels Motorcycle Club (MC) Oder City und dessen Unterorganisation Oder City Kurmark. Woidke ist sich sicher, dass die Gruppierungen versuchen, ihre regionale Vormachtstellung in Brandenburg auszubauen. Mehrfach sei es zu Machtkämpfen mit konkurrierenden Rockerclubs auch über die Landesgrenzen hinweg gekommen, sagen Experten in Woidkes Behörde.
Der Club Gremium, der 1972 in Mannheim gegründet wurde und der viele Ostdeutsche Mitglieder hat, wurde von der Razzia überrascht. Man wolle sich neu aufstellen, hieß es. Verboten wurden die Chapter Gremium MC Dresden, Gremium MC Chemnitz, Gremium MC Plauen, Gremium MC Nomads Eastside und Härte Plauen. Fachleute schließen nicht aus, dass Mitglieder nun zu Gremium-Chapter in Berlin und Brandenburg wechseln. Der Berliner Verein hat nach Aussagen der Polizei 34 Mitglieder.

Bisheriger Höhepunkt der Eskalation zwischen den Hells Angels und den Gremium-Männern war ein versuchter Mord am 25. Dezember 2011 in Königs Wusterhausen. Damals war ein Rocker des Clubs Gremium angegriffen worden. Anlass war eine vermeintliche Beleidigung des Präsidenten der Hells Angels. In Folge dessen war in der Nacht zu Silvester 2011 ein unbeteiligter 16-Jähriger in Königs Wusterhausen von Rockern aus Sachsen, Brandenburg und Berlin niedergestochen worden. Beide Fälle beschäftigen derzeit Gerichte in Cottbus und Potsdam. Beide Opfer überlebten. Bei der Razzia soll der 40 Jahre alte Gremium-Chef festgenommen worden sein.