Berlin - Henryk M. Broder spricht auf seinem Blog vom „rot-braunen Mob, den Jebsen zehn Jahre lang bedient hat“. So bezeichnet er die Kommentatoren, die sich jetzt auf der Facebook-Seite von KenFM über die Verantwortlichen des RBB aufregen. Seitdem am Mittwoch bekannt wurde, dass Ken Jebsen entlassen wird, beschäftigt das Thema Kommentarspalten, Blogs und Internetforen. Die Unterstützer Jebsens wittern Zensur und Broder-Hörigkeit beim RBB, andere freuen sich, „dass wir endlich nicht mehr von diesem irren Verschwörungstheoretiker und Antisemiten belästigt werden.“

Dass aus solchen Diskussion schnell Glaubenskriege werden, ist nicht neu. Interessanter wäre es, mehr über den Schlagabtausch zwischen Jebsen und dem RBB zu erfahren. Zumindest der Moderator geht nun in die Offensive. Noch am Mittwoch reagierte er mit einer Audiobotschaft, in der er alle Vorwürfe des RBB zurückwies, zugleich aber erklärte, sich aufgrund laufender Verhandlungen nicht weiter äußern zu wollen.

Jebsen will Schwur geleistet haben müssen

Einen Tag später brach er sein angekündigtes Schweigen und gab der Märkischen Allgemeinen ein Interview. Er habe sich an alle Vereinbarungen gehalten, die KenFM Ausgabe vom vergangenen Sonntag sei vorproduziert gewesen und habe die Zensur im RBB passiert. Seine Livesendung vom 13. November sei vorher im Detail abgesprochen worden und an seiner Moderation habe niemand etwas auszusetzen gehabt, lediglich einige Musiktitel seien kritisiert worden. Weiter sagte Jebsen, er habe einen Schwur leisten müssen, außerhalb der ARD auf Meinungsäußerungen zu verzichten.

„Das stimmt nicht“, entgegnete Justus Demmer, der Sprecher des RBB, gegenüber der Berliner Zeitung. „Wir würden niemals Mitarbeiter zu einem Schwur zwingen.“ Er könne die Aussagen Jebsens nicht nachvollziehen: Dieser habe so eindeutig gegen gemeinsame Absprachen verstoßen, dass es keine Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit mehr gegeben habe und dabei sei es nicht nur um die Musikauswahl gegangen. Während Ken Jebsen behauptet, er habe von seiner Kündigung erst durch die Presse erfahren, sagte Justus Demmer, es habe zuvor ein persönliches Gespräch mit dem Moderator gegeben, um diesen über die Auflösung seines Arbeitsverhältnisses zu informieren. Weitere Details über die Gründe der Entlassung nannte er nicht.

RBB bangt um sein Image

Mit diesen Details beschäftigen sich derzeit wohl die Anwälte von Jebsen. Sie kündigten gestern dem RBB an, sich nun mit dem Fall vertraut machen zu wollen. Was sie konkret vorhaben, ist unklar, Jebsen sagte lediglich, dass sich seine Anwälte mit der Aufhebung seines Arbeitsverhältnisses befassen müssten.

Bislang gibt es keine Pläne, wie KenFM ersetzt werden könnte. Ebenfalls noch offen ist die Nachfolge des Fritz-Programmchef Stefan Warbeck, der im Zuge der Affäre um Jebsen zurückgetreten war; kommissarisch übernimmt Heiner Heller, Leiter des Bereichs „Neue Zeiten“, zu dem auch Radio eins und Fritz gehören.

Am Freitag wurde bekannt, dass sich am 15. Dezember auch der Rundfunkrat des RBB mit dem Rauswurf Jebsens befassen wird. Die Vorsitzende des Programmausschusses, Friederike von Kirchbach sagte, die Diskussion beschädige das Image des Senders.

Mit seinen eigenwilligen, kontroversen Kommentaren hat Ken Jebsen schon immer polarisiert. Neben erbitterten Gegnern wie Henryk M. Broder hat er aber auch viele treue Fans – die nun erleichtert aufatmen dürften: „Ich lasse mich nicht mundtot machen“, sagte Jebsen. Dank des Internets bröckele das herkömmliche Informationsmonopol. „KenFM wird es weiter geben.“