In manchen Momenten redet Anni Dunkelmann so schnell, dass sich die Silben überschlagen und neue Worte bilden. Ihr ist das dann ein bisschen peinlich. „Ich nuschele, das ist meine große Schwäche“, sagt die 36-Jährige entschuldigend. Nicht die besten Voraussetzungen für eine Karriere vor der Kamera. Es hat trotzdem geklappt.

Anni Dunkelmann präsentiert donnerstags das Wochenendwetter in der rbb-„Abendschau“, seit vier Jahren schon. Statt dumpf die erwarteten Höchsttemperaturen abzulesen, bindet sie die Vorhersage in Beiträge ein: Sie macht mit einer Frauengruppe Lachyoga, besucht ein Sport-Speeddating, legt sich an einem kühlen Frühlingstag mit Handtuch in den Park, um für wärmere Zeiten schon mal einen guten Platz zu reservieren. Sie liefert die Pointe zum Abschluss der Sendung. Einmal flucht sie derbe über das anhaltende Regenwetter und lässt die Ausdrücke später im Schnitt mit Piepen übertönen.

Dass solch harmlose Späßchen überhaupt auffallen, sagt viel aus über den biederen Charme der „Abendschau“: Wer vom RBB-Urgestein Ulli Zelle sediert ist, wird von Anni Dunkelmann mitunter auf eine harte Probe gestellt. Dafür gibt es Zuspruch: „Das Beste am rbb ist die Wetterreportage von Anni Dunkelmann“, schreibt ein User auf Twitter, ein anderer fragt: „Was wäre ein Donnerstagabend ohne Anni Dunkelmann?“

Eine Nutzerin meint hingegen: „Für extrem grottige Moderatoren muss man nicht mal Privatfernsehen gucken. Meine Damen und Herren: Anni Dunkelmann.“ Die Gescholtene weiß um ihre Wirkung auf andere, nicht nur beim Publikum vor dem Bildschirm. Auch im Sender gehen die Meinungen über ihr manchmal zotiges Auftreten auseinander. Eine Redakteurin habe mal einen Beitrag nicht abnehmen wollen, erzählt die 36-Jährige. „Aber andere Redakteure ermutigen mich, das Format als Spielwiese zu nutzen.“

Aufgewachsen an der Ostsee

Dunkelmann wuchs im Ostseebad Boltenhagen auf, der Vater ist Kurdirektor im Ruhestand, ihre Mutter Klavierlehrerin. „Ich bin direkt an der Ostsee groß geworden, das war wunderschön“, sagt sie. Irgendwann wurde ihr der Ort mit seinen 2500 Einwohnern zu klein. Sie ging für Zeitungspraktika nach Berlin und wollte bleiben. Weil die Unis hier aber einen Numerus clausus für Politik und Geschichte haben, studierte sie in Rostock, machte dort ihren Magister. Schon damals pendelte sie nach Berlin, erst „nur so“, später der Liebe wegen.

Ein Volontariat beim NDR ließ sie durch die Provinz tingeln: Heide, Osnabrück. Nicht das, was sich jemand vorstellt, der Berlin als „meinen Ort der Glückseligkeit“ bezeichnet. Später moderierte sie NDR-Sendungen aus Schwerin und Kiel, die Sehnsucht nach Berlin blieb. „Hier fühlte es sich immer nach Zuhause sein an“, sagt sie. Dunkelmann schickte ein Band zum RBB, „so nach dem Motto: Falls ihr mal jemanden braucht“.

Als 2010 plötzlich Peter Laubenthal am Telefon ist, der damalige Leiter der „Abendschau“, musste sie die Sendung erst mal googlen. Er lud sie zum Casting ein, es ging um die Moderation. „Ich habe das verhältnismäßig seriös präsentiert“, erinnert sich Dunkelmann und verzieht dann den Mund. „Es ist nicht das, was ich gut kann.“ Das sah die Redaktion ähnlich, bot ihr aber einen Job als Live-Reporterin an. Das war genau das, was sie wollte.

Der Traum von der Talkshow

Mit dem Wochenendwetter hat sich Dunkelmann seitdem ihre Nische eingerichtet, eine Plattform, die ihr eine gewisse Aufmerksamkeit bringt, sie wird erkannt und regelmäßig für die Moderation von Veranstaltungen gebucht. „Einmal kam ein Teilnehmer und sagte, ich hätte das toll gemacht, das habe er gar nicht erwartet.“ In so einem Moment denkt sie: Bin ich in der Wahrnehmung nur der Wettertrottel? Stecke ich schon in einer Schublade fest?

Davor graut es ihr. „Ich möchte irgendwann wieder mehr mit Menschen sprechen, ihnen mehr Raum geben und sie kennenlernen“, sagt Anni Dunkelmann. Einen Karriereplan habe sie nicht, aber nach ihrem Traum gefragt, greift sie ganz oben ins Regal: „Ein Format wie die 'NDR Talk Show' wäre reizvoll.“

Sie probiert sich auch in anderen Bereichen aus, ohne Berührungsängste, dafür mit einem Stil, der zwischen Selbstironie und zweckloser Übertreibung schwankt: Für eine Reihe beim Kultursender arte hat sie mit ihrem Bruder Martin Dunkelmann, der TV-Produzent und auch selbst als Reporter vor die Kamera tritt, verschiedene Festivals besucht. Beim Punkfilmfest kippt sie Bier und Schnäpse, nach dem Besuch des Pornfilmfestivals gibt sie zu, „ein bisschen erregt zu sein“.

Glücklich im Wrangelkiez

Privat, sagt Dunkelmann, sei sie nicht so extrovertiert: „Ich kann auch gut für mich alleine sein.“ Dann zieht sie sich mit Serien wie „Breaking Bad“ und „American Horror Story“ auf die Couch zurück. Es sei ein Segen, mit der „Abendschau“ für eine Sendung zu arbeiten, die sich mit der Stadt beschäftige, denn: „Wer weiß, ob ich sonst aus meinem Kiez rauskommen würde?“

Dort, im Kreuzberger Wrangelkiez, lebt Dunkelmann, seit sie damals gependelt ist. „Bis vor zwei Jahren wollte ich hier wegziehen“, sagt sie, „es war mir zu laut und zu dreckig.“ Inzwischen habe sie sich an den Wandel der Gegend, ihren Trubel und die Touristen gewöhnt. „Ich kann nicht in so eine Gegend ziehen und mich beschweren, dass sie so ist, wie sie ist.“

Anni Dunkelmann im Fernsehen: donnerstags in der "Abendschau", 19.30 Uhr, RBB

Anni Dunkelmann im Netz: annidunkelmann.de

Anni Dunkelmann bei Facebook: facebook.com/Anni-Dunkelmann-Fanseite-RBB