BerlinViele Berliner und Brandenburger werden enttäuscht sein, wenn sie die Verleihung des Publikumspreises Goldene Henne sehen wollen, der am Freitag in Leipzig an beliebte Stars aus Kultur, Sport und Gesellschaft verliehen wird. Denn der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) wird dieses Jahr erstmals nicht die Gala live im Fernsehen übertragen, sondern bietet zur selben Zeit den Zuschauern mit den schönsten Kulthits der 60er-Jahre nur Konservenkost an. Der Sender steigt bei der  Goldenen Henne aus. Ihm ist die Show, die an die 1991 verstorbene Berliner Entertainerin Helga Hahnemann erinnert, offenbar zu teuer.

„Der RBB hat aus finanziellen Gründen entschieden, sich aus der Produktion der Goldenen Henne zurückzuziehen“, sagte RBB-Sprecherin Ulrike Herr der Berliner Zeitung. Dazu gehöre auch, dass der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) bereits ab diesem Jahr die Gala allein überträgt. „Wir werden die Goldene Henne in unserem Programm vermissen“, sagt die Sprecherin.

Die Preisverleihung, bei der vor allem ostdeutsche Prominente geehrt werden, findet seit 1995 statt. Initiator ist die Zeitschrift Super Illu. Seit 1996, als der MDR als Mitveranstalter und Produzent einstieg, wird die Gala im Fernsehen übertragen. Ein Jahr später übernahm der RBB, der damals noch Ostdeutscher Rundfunk (ORB) hieß, regelmäßig die Sendung. 2003 wurde der Sender auch Kooperationspartner bei der Goldenen Henne. So konnten auch die RBB-Zuschauer mit abstimmen, wer Preisträger werden soll.

RBB muss fast 30 Millionen Euro sparen

Das alles wird es nun seitens des öffentlich-rechtlichen Hauptstadtsenders nicht mehr geben. Die endgültige Entscheidung für den Ausstieg bei der Goldenen Henne fiel im Spätsommer dieses Jahres, so RBB-Sprecherin Herr. Als Hauptgrund für den Ausstieg nennt die sie das drastische Einsparungsprogramm von 29,9 Millionen Euro für den Sender, das RBB-Intendantin Patricia Schlesinger Anfang des Monats ab 2021 angekündigt hatte.

Im Sinne der  Beitragszahler wolle man die Einsparungen umsetzen, sagte sie. Laut Schlesinger sollen mit Beginn des Jahreswechsels die Programmdirektion im Fernseh- und Hörfunkbereich neu aufgestellt werden. „Dafür schaffen wir Strukturen, bei denen künftig nicht mehr Sendeplätze, sondern Inhalte im Vordergrund stehen“, so die Intendantin. Man habe „alles darangesetzt, die Einsparungen im Programm so gering wie möglich zu halten“. Insgesamt 5,5 Millionen Euro sollen 2021  in diesem Bereich eingespart werden.

Offenbar fängt der RBB mit dem Ausstieg bei der Goldenen Henne nun schon in diesem Jahr damit an. Laut Schätzungen von Insidern sollen die Produktionskosten für die Show bei insgesamt 1,5 Millionen Euro liegen. Der Anteil des Senders hätte eine „mittlere sechsstellige Summe“ betragen, sagt die RBB-Sprecherin . „Das Geld fließt nirgendwo anders hin, sondern wir müssen es schlicht einsparen. Das schien uns an dieser Stelle vertretbar, weil das Programm trotzdem stattfindet.“ Die Goldene Henne werde ja weiterhin vom MDR übertragen. Berliner und Brandenburger Henne-Fans könnten nun künftig dort die Preisverleihung sehen.