Innensenator Frank Henkel (CDU) reagierte am Sonntag mit harten Worten auf die Massenschlägereien in Flüchtlingsunterkünften in Berlin-Spandau und im ehemaligen Flughafen Tempelhof, Er drohte den Beteiligten mit Gefängnis. Am Samstag kam es zunächst in einer Flüchtlingsunterkunft in Spandau zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen Bewohner mit Feuerlöschern aufeinander losgingen. Am Sonntag lieferten sich Geflüchtete in den Hangars vom Flughafen Tempelhof eine brutale Schlägerei mit Messern und Holzlatten. „Diese Rechtsbrüche sind unerträglich und nicht hinnehmbar“, betonte der Senator. „Es gibt Regeln in unserem Land. Wer sich nicht daran hält, für den gibt es bei uns auch andere Unterkünfte. Mit verriegelten Türen und Fenstern“, sagte Henkel der Berliner Zeitung.

Der Senator sagte weiter: „Die Eskalation zeigt ein Problem, vor dem ich seit einiger Zeit warne: Mit der steigenden Zahl von Massenunterkünften steigen auch die Spannungen. Hunderte Menschen unterschiedlicher Nationalität müssen dicht gedrängt über Wochen und Monate zusammen leben.“ Henkel sagte, hinter diesem Konfliktpotenzial stecke eine Gefahr für den sozialen Frieden in unserer Stadt. „Das gilt vor allem mit Blick auf den Winter. Es reicht nicht aus, einfach nur alle Hallen vollzumachen. Darüber werden wir im Senat reden müssen.“

"Einem Huhn wird mehr Raum gegeben"

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen, Canan Bayram, sagte, es sei alles andere als überraschend, dass es in Massenunterkünften für Flüchtlinge zu gewalttätigen Konflikten komme. „Das war vorhersehbar“, sagte Bayram. Die Bedingungen seien menschenunwürdig. „In den Hangars in Tempelhof hat jeder Flüchtling nur 1,5 Quadratmeter Platz. Einem Huhn wird mehr Raum gegeben.“ Es gebe dort keine Heimleitung, die zur Entlastung der Situation beitragen könne. Die meisten Bewohner seien noch nicht registriert. „Sie haben nicht mal das Nötigste zum Leben: keine medizinische Versorgung, kein Taschengeld, keine Sicherheit.“ Viele der Geflüchteten seien traumatisiert. Die SPD müsse ihr Vorhaben dringend überdenken, auf dem früheren Flughafengelände 12.000 Menschen unterzubringen.

Wie berichtet, will der Regierende Bürgermeister Michael Müller alle Hangars belegen und Traglufthallen am Rand des Feldes aufstellen. Bayram wirft zudem Sozialsenator Mario Czaja (CDU) vor, solche Massenschlägereien bewusst in Kauf zu nehmen. „Er profitiert von solchen Bildern und kann dann sagen, dass sich Flüchtlinge nicht integrieren lassen.“ Dies sei eine Politik auf Kosten der Asylsuchenden und der Polizisten.

Auch Piraten kritisieren Massenunterkünfte

„Das kommt dabei heraus, wenn man Menschen in Massenunterkünften zusammenpfercht“, kommentierte Fabio Reinhardt von den Piraten die Ereignisse. „Der Senat muss endlich alle leerstehenden Immobilien prüfen, auch wenn dort nicht alle Menschen unterkommen können.“ Zudem müssten Möglichkeiten geschaffen werden, um gefährdete Gruppen wie allein stehende Frauen separat unterzubringen.

Hakan Tas (Linke) sagte: „Die Menschen haben keine Möglichkeit, etwas mit sich anzufangen.“ Die Sicherheitsleute vor Ort hätten keine interkulturelle Kompetenz und würden dazu beitragen, dass Gewalt eskaliere.

Bereits Ende Oktober hatte Michael Elias von der Tamaja GmbH, die die Notunterkünfte im Flughafen betreibt, gewarnt: „Der Hangar ist nicht im Ansatz ideal als Flüchtlingsunterkunft.“ In den Flughafengebäuden riecht es noch nach Schmierstoffen und nach jahrzehntelangem Flugbetrieb. „Privatsphäre gibt es hier keine. Das ist eine Not-Notunterkunft“, hatte Elias gesagt.