Berlin - Donald Trumps Plan, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu errichten, wird in der einst geteilten Stadt Berlin sehr kritisch gesehen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sprach am Freitag von einem „Irrweg“. „Berlin, die Stadt der Teilung Europas, die Stadt der Freiheit Europas, kann nicht kommentarlos zusehen, wenn ein Land plant, eine neue Mauer zu errichten“, teilte der SPD-Politiker mit. „Wir Berlinerinnen und Berliner wissen am besten, wieviel Leid eine durch Stacheldraht und Mauer zementierte Teilung eines ganzen Kontinents verursacht hat.“

„Überall dort, wo heute noch solche Grenzen existieren, in Korea, auf Zypern, schaffen sie Unfreiheit und Leid“, so Müller. „Ich rufe dem amerikanischen Präsidenten zu: Denken Sie an Ihren Vorgänger Ronald Reagan. Erinnern Sie sich an seine Worte: „Tear down this wall.“ - Die von der DDR errichtete Berliner Mauer teilte von 1961 bis 1989 den Osten und Westen der Stadt.

Der neue US-Präsident könnte sich in Berlin die Reste der deutsch-deutschen Teilung ansehen. „Vielleicht interessiert ihn ja das historische Vorbild“, sagte Axel Klausmeier, Direktor der Stiftung Berliner Mauer. Natürlich würde er den Präsidenten als Gast begrüßen und ihm die Berliner Geschichte erklären. Die Stiftung habe einen Auftrag für politische Bildung. „Ich würde Herrn Trump die Mauer zeigen.“

Trump hatte am Mittwoch mit einer Präsidenten-Anordnung den ersten Schritt zum Bau einer Grenzmauer zu Mexiko unternommen. Er unterzeichnete eine Order zum möglichen Start des hochumstrittenen Projektes.

"Schon mal weiter gewesen in der Entwicklung"

Der Historiker Klausmeier sagte mit Blick auf Trumps Plan: „Ich dachte ehrlich gesagt, wir wären schon mal weiter gewesen in der Entwicklung.“ Auf die Frage, ob es sich um Geschichtsvergessenheit handele, antwortete er: Ein Merkmal von Populisten sei es, vermeintlich einfache Lösungsvorschläge anzubieten, die möglicherweise sogar einen sehr kurzfristigen Erfolg böten. „Langfristig führt das in die Irre.“ Das eigentliche Problem der illegalen Einwanderung werde mit der Mauer nicht behoben.

Eine große Botschaft, die von Berlin ausgehe, sei: „Keine Mauer ist für die Ewigkeit gebaut.“ Die DDR habe mit dem „antifaschistischen Schutzwall“ ihr eigentliches Problem nicht gelöst. Das sei der Drang der Menschen nach Freiheit gewesen. Die DDR habe - anders als bei den Mauern anderer Länder - die eigene Bevölkerung eingebaut. Das Regime habe sich letztlich 28 Jahre gekauft - und dann doch verloren.

Jede Mauer in der Geschichte habe irgendwann ihre Funktion eingebüßt, so Klausmeier. In Deutschland sei das Wunderbare gewesen, dass das Ende friedlich und ohne einen Schuss gekommen sei. Klausmeier hat noch eine historische Beobachtung mit Blick auf Trumps „America first“-Kurs parat: Die Abschottungspolitik von Ronald Reagan in den 80er Jahren habe in eine starke Rezession geführt. (dpa)