Berlin - Seit einem halben Jahr ist Rebecca Reusch aus Britz spurlos verschwunden. Die Polizei geht weiter von einem Tötungsdelikt aus. Die Ermittler der Mordkommission sind sich sicher, dass das Mädchen das Haus ihrer Schwester am 18. Februar nicht lebend verlassen hat. Die Leiche der damals 15-Jährigen Schülerin wurde bislang nicht gefunden. Als tatverdächtig gilt weiterhin ihr Schwager Florian R. Er ist auf freiem Fuß. Ein Richter ließ ihn gehen, weil es an Beweisen mangelte. Der Fall sorgt weiterhin für bundesweite Schlagzeilen.

War es Mord oder ein Unfall?

Wurde sie erwürgt oder starb sie möglicherweise bei einem Stolperunfall? Diesen beiden Fragen widmen sich die Ermittler gegenwärtig intensiv. Eine Antwort darauf zu finden sei aber sehr schwer ohne die Leiche, sagen sie. Beide Varianten könnten zutreffen. Sie sprechen dafür, dass keine Blutspuren am letzten Aufenthaltsort des Mädchens entdeckt worden sind. Und die Haare, die, wie berichtet, sichergestellt wurden, stammen nicht von der Schülerin. Für einen Unfall spricht auch, der Zusammenhalt innerhalb der Familie Rebeccas, sagen Fahnder.

Die Eltern des Mädchens und deren Schwester stehen weiterhin voll und ganz hinter Florian R. Möglicherweise wäre das anders, wenn er seine Schwägerin umgebracht hätte, spekulieren Beamte. Dann wäre vielleicht das Verhältnis zerrüttet. Kurz und gut, die Ermittler kommen in ihrer Arbeit nicht weiter. Trotz der mehr als 2 000 eingegangenen Hinweise haben sie keine heiße Spur.

Rebecca ist seit dem 18. Februar verschwunden

„Leider gibt es noch keinen Ermittlungsdurchbruch“, sagte auch Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft dieser Zeitung. Es sei aber kein Cold Case, im Gegenteil, so der Sprecher. Als Cold Case werden Fälle bezeichnet, die vorerst zu den Akten gelegt werden. Fest steht, dass Rebeccas vom 17 Februar bis 18. Februar im Haus ihrer Schwester und des Schwagers übernachtete. Das tat sie häufiger mit dem Einverständnis ihrer Eltern. Fest steht auch, dass am 18. Februar gegen 5.45 Uhr ihr Schwager Florian R. von einer Betriebsfeier nach Hause kam. Zu dieser Zeit befand sich die Schülerin in dem Haus. Bis acht Uhr meldet sich das Handy des Mädchens mindestens einmal im Router im Haus an. Seitdem ist sie verschwunden. 

Umfangreiche Suchaktionen ohne Erfolg

Fachleute fragen sich immer noch, warum die Polizei erst am 1. März das Haus des Schwagers nach Spuren durchsuchte. Möglicherweise wurden bis dahin wichtige Indizien beseitigt. Am selben Tag war der Schwager aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Ein Richter hatte den Haftbefehl nicht unterschrieben, weil ihm die Beweise nicht ausreichten. Drei Tage später entschied dann ein Richter, dass der Mann doch in Untersuchungshaft genommen wird. 18 Tage später wurde der Haftbefehl wieder aufgehoben. Bis dahin organisierten die Ermittler umfangreiche Suchaktionen, an denen auch Spezialisten des Technischen Hilfswerks beteiligt waren. Gesucht wurde in Wäldern in Ost-Brandenburg. Auch am Wolziger See, am Herzberger See sowie in Gewässern in der Nähe des Scharmützelsees waren Suchhunde der Polizei unterwegs. Seit dem 16. April ist die Suche eingestellt, weil es keine weiteren Hinweise zum Verbleib Rebeccas gibt.