Berlin - Mit einer Razzia ist die Polizei am Dienstag in Berlin gegen Neonazis vorgegangen. Beamte durchsuchten im gesamten Stadtgebiet elf Anschriften von neun Beschuldigten, darunter eine Kneipe und einen Handwerksbetrieb.

Nach Angaben eines Polizeisprechers werden den neun Neonazis unter anderem zwei Angriffe auf Homosexuelle im Herbst vergangenen Jahres vorgeworfen. Auch weil mutmaßliche Neonazis in Neukölln das Haus einer Nazigegnerin mit Bitumen bewarfen, ging die Polizei am Dienstag gegen Verdächtige vor.

Gegenstand der Verfahren sind auch Volksverhetzung sowie illegales Plakatieren. Deshalb bekam zum Beispiel der NPD-Kreisvorsitzende von Marzahn-Hellersdorf, Stephan H. am Dienstag Besuch von der Polizei.

Waffen wohl scharf

Ermittelt wird auch gegen die Hintermänner der rechtsextremen Internetseite "Nationaler Widerstand Berlin". Die Seite ist inzwischen abgeschaltet, wie auch eine Seite, auf der Steckbriefe von Nazigegnern veröffentlicht wurden. Bei der Razzia stellte die Polizei unter anderem Schusswaffen, einen Schlagring, Handys und USB-Sticks sicher. 

„Die Waffen scheinen scharf zu sein“, sagte der Polizeisprecher. „Wir prüfen, ob die Waffen überhaupt schussfähig sind, denn sie sind schon etwas älter.“

Unter den Neonazis, die durchsucht wurden, ist auch Sascha L.  Er hatte 1996 als Skinhead in Brandenburg/Havel den Punk Sven Beuter zu Tode getreten. Das Landgericht Potsdam verurteilte ihn wegen Totschlags zu siebeneinhalb Jahren Haftstrafe.