Rechtsradikale Anschläge in Berlin-Neukölln: Wieder brannte ein Auto einer Nazigegnerin

Die Serie mutmaßlich rechtsradikaler Brandstiftungen in Neukölln geht weiter. In der Nacht zum Mittwoch wurde in der Hufeisensiedlung das Auto einer Frau angezündet. Diese ist aktiv in der Flüchtlingshilfe und bei der Bürgerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“. Ihre Kinder sind in Kindergruppen des sozialistischen Jugendverbandes Falken Neukölln.

Nachbarn alarmierten die Feuerwehr gegen 2.15 Uhr zu dem brennenden Chrysler Voyager. Der Wagen brannte vollständig aus. Durch das Feuer wurde auch die Hausfassade beschädigt, während drin die Familie mit ihren beiden Kinder schlief.

Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen. Er vermutet, dass Rechtsextreme für die Tat verantwortlich sind. „Auch diesmal ist die Handschrift auch dieses Anschlags eindeutig rechtsextrem: Feige, nachts, gegen aktive Falken“, erklärte Tim Haverland, Vorsitzender der Neuköllner Falken. „Das Ziel der Nazis ist es, uns einzuschüchtern. Aber das Gegenteil ist der Fall.“

Parolen an Hauswänden und eingeschlagene Scheiben

Seit Mai 2016 erschüttert eine Serie von Brandanschlägen, Sachbeschädigungen und Bedrohungen mittels gesprühter Parolen an Hauswänden den Süden Neuköllns. Am 9. Februar brannte das Auto einer Galeristin, die die antirassistische Galerie Olga Benario betreibt. Sie engagiert sich außerdem in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten.

Am 23. Januar wurde in Rudow das Auto eines Buchhändlers angezündet. Es war schon der zweite Anschlag auf ihn, nachdem im Dezember eine Scheibe seines Buchladens „Leporello“ eingeworfen wurde. Er engagiert sich in der Initiative „Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus“.

Noch kein Verdächtiger ermittelt

Am 14. Januar brannte das Auto von Mirjam Blumenthal, die im Vorstand der SPD zuständig für Strategien gegen Rechts ist. „Es gibt nach jedem Anschlag viel Solidarität und es werden mehr Menschen aktiv“, sagte sie am Mittwoch. „Doch das entlässt den Staat und die Polizei nicht aus der Verantwortung. In politische Bildung und Demokratiearbeit muss dringend mehr investiert werden.“ Nach Blumenthals Zählung ist der jüngste Brandanschlag die 45. Attacke, die sich seit August vergangenen Jahres ereignet hat.

Die Anschläge waren bereits Anlass für Innensenator Andreas Geisel (SPD, im Januar das Anton-Schmaus-Haus zu besuchen, den Sitz der Falken, das ebenfalls schon mehrfach Ziel von Brandanschlägen wurde. Beim Staatsschutz wurde inzwischen eine spezielle Sonderkommission gegründet. Zwei Beamte des Polizeiabschnitts 56 befassen sich ebenfalls mit den Anschlägen. Ermittelt wurde bisher kein Verdächtiger. 

Auch in der Fichtestraße in Kreuzberg wurde in der selben Nacht ein Auto angezündet. Die Täter benutzten Brandbeschleuniger. An dem Mercedes Vito soll ein Antifa-Sticker geklebt haben. Auch hier übernahm der Staatsschutz die Ermittlungen. Ob auch hier Rechtsradikale im Verdacht stehen oder aber Linksradikale konnte eine Polizeisprecherin nicht sagen.