Berlin - Das Haus in der Rykestraße 13 in Prenzlauer Berg hat zwei Geschichten. Die eine geht so: Es ist das Jahr 1987, der Berliner Magistrat will die verfallenen Häuser in der Rykestraße abreißen. Die Bewohner protestieren und können die Pläne verhindern. Nach der Wende gründen sie eine Genossenschaft, sie wollen ihr Haus selbst instand setzen. Der Senat unterstützte das Projekt mit seinem Förderprogramm zur Stadterneuerung Ost-Berlins. Vier Millionen D-Mark bekommen die Bewohner über die Jahre. Voraussetzung ist, dass sie selbst mit anpacken. Sie rissen Öfen raus und Schornsteine ein, gruben Schächte und verlegten Rohre, entmüllten, schliffen Dielen ab, was sie selbst machen konnten, machten sie selbst. Und schufen sich so in dem einst baufälligen Abrisshaus ein Zuhause. So erzählen es die Bewohner.

Die andere Geschichte beginnt Anfang der Zwanzigerjahre, in der Rykestraße 13 wohnten damals Arbeiter, Handwerker und ein Kunstmaler. 1922 kaufte Jacob Steinberger das Haus, der Name seiner Frau Elfriede findet sich in den Adressbüchern aus jener Zeit. Die beiden waren polnische Juden, die in den Niederlanden lebten. 1943 wurde das Ehepaar Steinberger von den Nazis enteignet, das Haus wurde an eine deutsche Baronin übertragen. Jacob Steinberger wurde im Konzentrationslager Westerbork umgebracht.

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