Im Jahr 2017: Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD), Gregor Seyffert und Ralf Stabel, künstlerischer und Schulleiter der Staatlichen Ballettschule Berlin (SBB).
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BerlinDer Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Berlin am Montag brachte keine Lösung: Im Fall von Ralf Stabel, dem freigestellten Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin (SBB) und Schule für Artistik, wird es deshalb voraussichtlich am 2. September zu einem Verfahren vor dem Arbeitsgericht kommen.

Während des Gerichtstermins zeichnete sich ab, dass die Senatsschulverwaltung Schwierigkeiten bekommen dürfte, die Freistellung Stabels durchzusetzen, wenn sie im Hauptsacheverfahren nicht konkrete Fälle oder Zeugen benennen und beweisen kann, dass Stabel selbst für mögliche Missstände an der SBB verantwortlich ist.

Richter Thomas Kühn forderte mehrfach konkretere Beispiele und wies darauf hin, dass die Einschätzung der Kommission für das Gericht nicht bindend sei: „Es wird in diesem Verfahren darauf hinauslaufen, dass wir Ross und Reiter benennen müssen.“ Die Senatsverwaltung müsse „konkrete, substantiierte und exakte Vorwürfe“ gegen Stabel vorbringen und darlegen, von welchen Missständen er gewusst und trotzdem nicht reagiert habe.

Der Anwalt des Landes wiederholte während der Verhandlung lediglich die Vorwürfe, die der Zwischenbericht der Expertenkommission anführt, unter anderem, dass die Schule durch ein „Klima der Angst“ geprägt sei und ihre Struktur Kindeswohlgefährdungen begünstige. Der Zwischenbericht wurde vergangene Woche veröffentlicht - reicht dem Gericht allerdings offenkundig nicht, um die Maßnahmen des Senats als rechtmäßig anzuerkennen. 

Stabel hat gegen die Senatsbildungsverwaltung geklagt, um seine Freistellung aufheben zu lassen und seine Wiedereinsetzung als Schulleiter zu erwirken. Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte ihn und den künstlerischen Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin, Gregor Seyffert, am 17. Februar freigestellt und die Stelle des Schulleiters und des stellvertretenden Schulleiters neu ausgeschrieben, obwohl Stabel offiziell noch im Amt ist. Ein Eilverfahren, mit dem Stabel nicht nur seine Freistellung, sondern auch die Ausschreibung aussetzen lassen wollte, wurde zurückgewiesen.

Stabels Anwalt brachte vor, solche Vorwürfe fehlten; das sei auch der Grund, warum die Senatsverwaltung keine Kündigung ausgesprochen habe. Durch die Veröffentlichung des Zwischenberichts finde eine Vorverurteilung statt, ohne dass den Betroffenen klar sei, welche Vorwürfe vorlägen.

Eine Einigung beim Gütetermin bezeichneten beide Parteien als  „nicht denkbar“. In Bezug auf eine mögliche alternative Beschäftigung, die der Richter vorschlug, wies Stabels Anwalt darauf hin, dieser sei „von Hause aus nicht Schulleiter und nicht Lehrer, sondern Wissenschaftler, Theatertheoretiker und Tanztheoretiker“. Seine Einsatzmöglichkeiten seien deshalb geringer als bei einem normalen Schulleiter.

Auch der künstlerische Leiter der SBB Gregor Seyffert geht gerichtlich gegen seine Freistellung vor. Der Gütetermin ist für kommende Woche angesetzt.