Berlin - Das Prinzip ist so simpel wie praktisch: Wer tagsüber in der Stadt unterwegs ist und eine leere Flasche dabei hat, kann sie künftig an der nächsten Wasserleitung auffüllen – kostenlos. „Refill Berlin“ heißt das Umweltprojekt, das in der kommenden Woche in der Hauptstadt startet und in etlichen anderen Städten bereits funktioniert. Die Auffüllstationen für Frischwasser sollen von außen an hellblauen Aufklebern mit dem Logo der Initiative, einem Wassertropfen, erkennbar sein. Station kann im Prinzip jeder werden, der einen Wasseranschluss hat: Läden, Cafés, Büros, selbst Privatleute.

Stationen im Netz

Ein paar solcher Stationen gibt es auch schon. In der kommenden Woche wird der Verein „A Tip: Tap“ aus Neukölln, der sich für den Konsum von Leitungswasser einsetzt, eine Internetseite freischalten, auf der alle Berliner Orte eingetragen sind, an denen Passanten ihre Flaschen füllen können. „Leitungswasser enthält viele Mineralien – und es ist sehr günstig“, sagt Lena Gansmann, eine 36-jährige Fotografin, die sich im Verein engagiert.

Dessen Mitglieder gehören zu einer internationalen Bewegung namens „blue community“, die sich gegen die Privatisierung der Wasserversorgung und für ein Menschenrecht auf Wasser nach dem Vorbild der Schweiz einsetzt. Die Aktivisten haben sich an der Vorarbeit der Webdesignerin Stephanie Wiermann orientiert, die als Bloggerin Tipps für ein plastikfreies Leben gibt. Wiermann gründete im Frühjahr die Aktion „Refill Hamburg“, nachdem sie das Konzept in der englischen Stadt Bristol kennengelernt hatte.

„In Bristol muss niemand mehr Plastikflaschen kaufen“

Über 200 Abfüllstationen gibt es dort inzwischen. „In Bristol muss niemand mehr Plastikflaschen kaufen“, sagt sie. In Hamburg beteiligen sich aktuell immerhin 55 Ladeninhaber an dem Projekt, darunter Cafés und Restaurants, Kosmetikshops, Apotheken, Buchhandlungen und Bioläden. Wiermanns Beispiel sind schon weitere Umweltaktivisten gefolgt, etwa in Bonn, Köln, Dresden, Greifswald, Münster und Kassel.

In Berlin muss das Projekt allerdings erst noch bekannter werden. Bisher haben nur wenige Geschäfte das Refill-Berlin-Logo angebracht, dazu gehört etwa der verpackungsfreie Supermarkt „Original Unverpackt“ in der Wiener Straße in Kreuzberg. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB), von denen der Stoff ja stammt, unterstützen „Refill Berlin“ schon daher in der Startphase.

21.000 Mal im Jahr im Labor untersucht

Auf der Online-Berlinkarte für die Nachfüllstationen sind deshalb auch die 41 Trinkbrunnen eingezeichnet, die über die Stadt verteilt auf Plätzen und an Straßen stehen – die neuesten vor dem Gesundbrunnen Center und auf dem Vinetaplatz. „Die Mehrheit der Berliner bevorzugt Leitungswasser“, sagt Astrid Hackenesch-Rump, Sprecherin der Berliner Wasserbetriebe. Es unterschreite alle Grenzwerte und werde 21.000 Mal im Jahr im Labor untersucht. Und ein Liter kostet rund einen halben Cent.

Unterstützung kommt auch vom Deutschen Städte- und Gemeindebund, der mehr kostenfreie Trinkwasserspender in den Städten fordert. „Trinkwasser ist in Deutschland das am strengsten kontrollierte Lebensmittel. Es kann zu jeder Zeit und an allen Orten bedenkenlos aus dem Wasserhahn getrunken werden“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Berliner Zeitung.

Die Gründer von Refill Berlin hoffen, dass sich bald schon viele Ladeninhaber und Gastronomen beteiligen. Das Procedere ist einfach: Sie bestellen Aufkleber, bringen sie an ihren Geschäften an und melden ihre Station der Internetseite. „Das Projekt soll ein Selbstläufer werden“, sagt Lena Ganssmann. In anderen Städten hat es schließlich auch geklappt.