Nach dem starken Unwetter vom Donnerstag hält der Ausnahmezustand in Berlin weiterhin an. „Die aktuelle Lage lässt keine Aufhebung zu“, sagte Björn Radünz von der Berliner Feuerwehr am Freitagmorgen. Die Helfer der Feuerwehr seien seit Donnerstag- mittag zu rund 1500 Einsätze ausgerückt. „Berlin kommt nicht zur Ruhe“, twittert die Feuerwehr am Vormittag.

„Dazu kommt dann noch das ganz normale Tagesgeschäft der Feuerwehr mit Rettungswageneinsätzen.“ Die Feuerwehr bittet weiterhin darum, die Helfer nur bei Keller-Überschwemmungen zu rufen, wenn das Wasser höher als fünf Zentimeter steht. „Unterstützt worden sind wir von über 600 freiwilligen Helfern. Diesen Menschen gilt großer Dank“, sagt Radünz. 

Weiterhin Störungen im U-Bahn-Verkehr

Hauptprobleme seien vollgelaufene Keller und U-Bahn-Stationen. Am Freitagvormittag gab es noch Störungen auf der U-Bahnlinie U9, wo zwischen den Stationen Spichernstraße und Walther-Schreiber-Platz ein Pendelverkehr mit Großraum-Taxen eingerichtet wurde. Der Bahnhof Biesdorf-Süd an der U5 musste ebenfalls gesperrt werden, da das Wasser dort bereits eine Tiefe von mehr als einen Meter erreicht hatte. Gegen 13.00 Uhr war die Sperrung wieder aufgehoben, der Ersatzverkehr an der U-Bahnlinie U9 wieder eingestellt und die U-Bahnzüge hielten wieder an allen den Bahnhöfen. Wie groß die Schäden bei der BVG durch den Starkregen sind, war am Freitagvormittag noch nicht abzuschätzen.

Auf Twitter kommentierte die BVG-Werbekampagne „Weil wir dich lieben“ das Unwetter mit trockenem Humor:

Die Polizei hat nach dem Unwetter einige abgetrennte Autokennzeichen gefunden und informiert Autofahrer ebenfalls humorvoll, dass diese nun abgeholt werden könnten:

Was in der Nacht geschah

Seit Donnerstagnachmittag steht die Hauptstadt unter Wasser: Stundenlanger Starkregen, vollgelaufene Keller und überschwemmte Straßen haben der Berliner Feuerwehr auch in der Nacht schwer zu schaffen gemacht. Bis kurz vor Mitternacht zählte ein Sprecher fast 1400 wetterbedingte Einsätze in der Hauptstadt. Örtlich fiel binnen weniger als 24 Stunden mehr als doppelt so viel Regen wie normalerweise im ganzen Juni. In der Bismarckstraße im Stadtteil Charlottenburg musste ein von den Wassermassen unterspültes Haus wegen möglicher Einsturzgefahr evakuiert werden. Der am Donnerstagmittag ausgerufene Ausnahmezustand galt in der Nacht fort.

A100 in der Nacht teilweise gesperrt

Eine der fünf meistbefahrenen Autobahnen Deutschlands, die A100, blieb wegen Überschwemmung in Tunnelbereichen auch nachts abschnittweise gesperrt. Am Flughafen Tegel läuft am Freitagmorgen seit 6 Uhr der Betrieb wieder normal. In der Nacht hätten dort rund 180 gestrandete Fluggäste übernachtet, teilte ein Flughafensprecher mit. Es wurden Feldbetten aufgestellt. 

In Tegel gingen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von Donnerstag 11.00 Uhr bis zum frühen Freitagmorgen 143,5 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Das langjährige Mittel für den Monat Juni liegt dort bei 70,9 Liter.

Wasser stand knöchelhoch auf den Straßen

Auf zahlreichen Berliner Straßen stand das Wasser zeitweise knöchelhoch, Taxis waren nur schwer zu bekommen, der S-Bahn-Verkehr war zeitweise gestört, Busse fuhren teils nur mit großer Verspätung. Die Innenstadt war am Donnerstag teilweise lahmgelegt. Beim Notruf hingen Anrufer zeitweise minutenlang in der Warteschleife fest.

Auch das Technische Hilfswerk unterstützte die Berliner Feuerwehrleute. Im Stadtteil Charlottenburg gab es am späten Abend einen Unfall zwischen einem Leiterwagen der Feuerwehr und einem Auto. Drei Menschen wurden dabei verletzt, darunter zwei Feuerwehrleute. Weitere Menschen kamen in Berlin nicht zu Schaden.

Starkregen-Warnungen ausgeweitet - Lage in Brandenburg

In Brandenburg beruhigte sich die Lage am frühen Morgen etwas. Besonders betroffen war bis dahin der Süden des Bundeslands sowie der Raum Oranienburg. Mehr als 400 Einsatzkräfte waren dort bis zum frühen Morgen im Einsatz. Immer wieder musste auch das Technische Hilfswerk mithelfen, um Häuser, Straßen und ganze Firmen von den Wassermassen freizupumpen. Es kam zu mehreren Unfällen mit Leichtverletzten. Die Kreisverwaltung Oberhavel (Oranienburg) musste wegen technischer Probleme nach dem Unwetter geschlossen werden.

Auch die Landeshauptstadt war betroffen. 46 Mal rückte die Feuerwehr in Potsdam wegen überfluteter Straßen und vollgelaufener Keller aus.
Der DWD hatte am Abend seine Starkregen-Warnungen auf Norddeutschland ausgeweitet. Besonders heftig erwischte es dort zunächst einige Regionen Niedersachsens. In Hannover standen zahlreiche Straßen unter Wasser. Auch die Medizinische Hochschule sowie das Firmengelände des Reifenherstellers Continental waren betroffen. 175 wetterbedingte Einsätze zählte die Feuerwehr bis zum späten Abend.

Norddeutschland bleibt noch verschont

Im Raum Oldenburg stürzte das Dach einer Firma unter den Wassermassen ein. Verletzt wurde auch hier niemand.

Die übrigen norddeutschen Bundesländer blieben vorläufig von heftigeren Wasserschäden verschont. Zwar meldeten mehrere Feuerwehr- und Polizeidienststellen starken Regen. Zu größeren Einsätzen kam es aber zunächst nicht. „Wir mussten bislang kein einziges Mal wegen des Wetters ausrücken“, sagte ein Polizeisprecher in Hamburg. „Nicht mal ein Keller ist vollgelaufen.“

Nahe Rostock kam bei starkem Regen ein Lastwagen von einer Bundesstraße ab, prallte gegen einen Baum und kippte um. Weil der Fahrer zunächst zu Fuß von der Unfallstelle flüchtete, war unklar, ob nicht auch andere Ursachen für den Unfall in Frage kommen, wie die Polizei mitteilte. Nach Angaben der Polizei waren einige Warnungen für Mecklenburg-Vorpommern im Laufe der Nacht abgeschwächt worden.

Für die Länder Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hatte der Deutsche Wetterdienst in der Nacht auch für den gesamten Freitag vor langanhaltendem Starkregen gewarnt. (dpa/BLZ)