Berlin - Bernhard Blaszkiewitz hat eingelenkt, die Debatte um den umstrittenen Berliner Zoo- und Tierpark-Chef ist damit aber nicht beendet. Der Tierschutz-Experte der CDU-Fraktion, Alexander Hermann, wollte auf den Neujahrsempfang des Zoos am Mittwochabend verzichten.

„Für mich ist das eine Frage der politischen Ehrlichkeit“, hatte Hermann am Dienstag betont. „Ich kann nicht gestern sagen, ich halte Herrn Blaszkiewitz für nicht mehr tragbar in seinem Amt, und morgen zum Neujahrsempfang gehen und ihm dort die Hand schütteln.“ Auch Politiker anderer Fraktionen wollten den Empfang boykottieren.

Blaszkiewitz hatte am Dienstag in einer Erklärung an die Belegschaft seine umstrittenen Äußerungen über Mitarbeiterinnen und über die Annahme von Weihnachtsgeld bedauert. Er war unter Druck geraten, nachdem er in internen Schreiben den Namen von Mitarbeiterinnen die Formel 0,1 vorangesetzt hatte. In der Zoo-Welt werden damit „Weibchen“ gekennzeichnet, bei bestimmten Tierarten auch „Zuchtstuten“.

Frauen-Senatorin Dilek Kolat (SPD) bezeichnete das Bedauern des Zoo-Chefs als ersten Schritt, den sie begrüße. In der RBB-„Abendschau“ sagte sie weiter: „Ganz wichtig ist, dass ähnliche Fälle in diesem Betrieb nicht wieder passieren.“ Kolat hatte zunächst kritisiert, der Zoo-Chef habe sich als Führungspersönlichkeit disqualifiziert.

Blaszkiewitz will bis 65 bleiben

Der „B.Z.“ sagte der 58 Jahre alte Blaszkiewitz, er wolle auch nach dem Ende seines aktuellen Vertrags im Jahr 2014 weitermachen. „Wenn es mein Herz erlaubt, dann würde ich gern bis 65 weiterarbeiten.“ Das Präsidium des Aufsichtsrats hatte am Montag entschieden, dass der Zoo-Chef im Amt bleibt. Er führt den Zoo seit 2007, den Tierpark bereits seit 1991.

Die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling hatte betont, Blaszkiewitz' Erklärung sei nicht als die erwartete und nötige Entschuldigung zu bewerten. „Das reicht nicht“, hielt sie in einer gemeinsamen Erklärung mit der frauenpolitischen Grünen-Sprecherin Anja Kofbinger fest.

Im Interview mit Radio Energy legte Hämmerling mit harschen Worten nach. Die Entschuldigung komme nicht von Herzen. „Ich glaube nicht daran, dass sich ein Mensch, der ein Regime des Schreckens im Tierpark geführt hat, jetzt auf einmal ändern wird.“ Der Zoo-Direktor wirke wie die Axt im Walde, wenn er mit seinen Mitarbeitern in einer unflätigen Art und Weise umgehe.

Fraktionschefs sagen Veranstaltung mit Zoo-Chef ab

Die beiden Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Florian Graf und Raed Saleh, haben eine Talkrunde mit dem umstrittenen Berliner Zoo- und Tierpark-Chef Bernhard Blaszkiewitz abgesagt. Dabei sollte es im neu eröffneten Hotel Waldorf Astoria im Rahmen der vom Zoo initiierten Zoo-Gespräche am kommenden Mittwoch (30. Januar) um die wieder aufblühende City West gehen, sagte CDU-Fraktionssprecher Michael Thiedemann.

Aufgrund der zu erwartenden medialen Aufmerksamkeit um Blaszkiewitz sei zu erwarten gewesen, dass das eigentliche Thema City West völlig in den Hintergrund rücken würde, so Thiedemann. Das sei aber nicht Sinn der Diskussionsveranstaltung. Deshalb hätten sich beide Fraktionsvorsitzenden geeinigt, ihre Teilnahme abzusagen.

Politiker wollen Neujahrsempfang boykottieren

Verwirrung gab es am Mittwoch um die zunächst fragliche Teilnahme von Blaszkiewitz am Neujahrsempfang des Zoos auf der Grünen Woche am (heutigen) Mittwochabend (19.00). Der Nachrichtenagentur dpa hatte Blaszkiewitz zunächst bestätigt, dass er nicht teilnehmen und von der kaufmännischen Zoo-Direktorin Gabriele Thöne vertreten werde. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa änderte sich dies, als sich der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Bruckmann einschaltete. Die Zoo-Pressestelle teilte daraufhin mit, dass Blaszkiewitz nun doch auf dem Neujahrsempfang erscheinen und auch eine Rede halten werde.

Der Tierschutz-Experte der CDU-Fraktion, Alexander Hermann, wollte auf den Neujahrsempfang des Zoos am Mittwochabend verzichten. „Für mich ist das eine Frage der politischen Ehrlichkeit“, hatte Hermann am Dienstag betont. „Ich kann nicht gestern sagen, ich halte Herrn Blaszkiewitz für nicht mehr tragbar in seinem Amt, und morgen zum Neujahrsempfang gehen und ihm dort die Hand schütteln.“ Auch Politiker anderer Fraktionen wollten den Empfang boykottieren.

Blaszkiewitz wehrte sich gegen die anhaltende Kritik. „Das liegt sicher daran, dass ich sehr ehrlich bin und meine Meinung ehrlich sage“, sagte er der Berliner Zeitung. „Das gefällt nicht jedem. Aber man kann sich herrlich mit mir auseinandersetzen. Wer eine andere Meinung hat als ich, kann mir das jederzeit sagen.“ (dpa)