Regionalzüge in Berlin und Brandenburg: Deutsche Bahn verspricht Ende der Zugausfälle

Es ist eine „traurige Gewohnheit“, hieß es bei Drehscheibe Online, einem Internetforum für Bahn-Fans. Am vergangenen Wochenende sind bei der Deutschen Bahn (DB) in Berlin und Brandenburg erneut Regionalzugfahrten ausgefallen. Regelmäßig meldet DB Regio Nordost, dass Ausflugs- und andere Züge leider nicht fahren können. Doch nun soll es erstmals seit Langem wieder ein Wochenende ohne Fahrplanausdünnungen geben, sagte ein Bahnsprecher. Für Sonnabend und Sonntag sei „voraussichtlich nicht“ mit Ausfällen zu rechnen, kündigte er an.

Ausflügler aus Berlin, Einkaufsbummler aus Brandenburg und andere Menschen, die mit einem Regionalzug fahren wollten, hatten Pech. „Aufgrund betriebsbedingter Gründe fallen einige Züge aus“, musste DB Regio Nordost mitteilen.

Zahlreiche Zugausfälle

Wer am Sonnabend mit dem Zusatzzug am Vormittag nach Prenzlau einen Ausflug in die Uckermark machen wollte, blieb nichts anderes übrig, auf einen der meist vollen regulären Regionalexpresszüge ausweichen. Am Sonntag war dann der Ausflugszug von Berlin nach Neustrelitz an der Reihe, auch er wurde zum wiederholten Male gestrichen.

Damit nicht genug: Beim Prignitz-Express (Linie RE 6) fielen drei Fahrten aus. Schienenersatzverkehr mit Bussen wurde auch entlang der RB 23 zwischen Potsdam und Michendorf eingerichtet, wo zwölf Zugfahrten gestrichen werden mussten. Allerdings fuhren die Busse nur bis Caputh-Schwielowsee, einige Bahnhöfe wurden vom SEV ausgelassen.

Stichwort: Erdschlussfahrt

Ein Lokführer hatte sich krank gemeldet, teilte der Bahnsprecher mit. Dadurch fiel eine Schicht auf der RB 23 aus. Auch für die Linie RE 6 hieß es: „Ausfall einer Schicht durch Krankmeldung eines Triebfahrzeugführers.“ Es war auch in anderer Hinsicht ein turbulentes Wochenende für Bahnleute und Fahrgäste. So fielen am Sonnabend nicht weniger als 26 Zugfahrten zwischen Bernau und Berlin-Lichtenberg ganz oder teilweise aus, weil es eine Panne mit einem Güterzug gegeben hatte.

Das Stichwort hieß: Erdschlussfahrt. Das bedeutet, dass die Lok mit gehobenem Stromabnehmer in einen stromlosen Fahrleitungsabschnitt gefahren war, ohne dass der Lokführer den Hauptschalter ausgestellt hatte. Ein Lichtbogen entstand, und Betrieb war erst mal nicht mehr möglich. Am Karower Kreuz gibt es mehrere stromlose Abschnitte.

Personalmangel ist das größte Problem

Ein 32 Jahre alter Berliner, der am Sonnabend am S-Bahnhof Blankenfelde südlich von Berlin Fahrgäste mit einer Schreckschusspistole bedroht und beschossen hatte, war an weiteren Ausfällen schuld. „Die Bundespolizei richtete einen Sperrkreis ein und sperrte die Strecke“, berichtete der Bahnsprecher. 31 Zugfahrten fielen ganz oder teilweise aus.

Doch das größte strukturelle Problem ist und bleibt der Personalmangel. Die DB und andere Zugbetreiber suchen händeringend Lokführer – aber die Zahl der Neuzugänge bleibt meist hinter den Erwartungen zurück, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Schichtdienst oft als belastend empfunden wird. Darum leidet der Betrieb auch immer wieder unter Krankheitsfällen.

Zudem haben neue tarifvertragliche Regelung die Flexibilität, wenn der Tausch von Diensten gewünscht wird, verringert. Eine Folge ist, dass eine Krankmeldung nicht selten der einfachere Weg ist, wenn ein Lokführer kurzfristig etwas anderes vor hat. Vermutungen, dass die Fußball-WM etwas mit den Zugausfällen zu tun hat, wies die Bahn aber zurück.

„Sofort einsetzbar“

Dass DB Regio Nordost ein Personalproblem hat, war erstmals Ende April bekanntgeworden. Viele Einsatzzüge, die beim Baumblütenfest aushelfen sollten, konnten nicht fahren – mit der Folge, dass sich Massen angeheiterter Festbesucher in den regulären Zügen drängten. Damals sprach die Bahn von einer „lang anhaltenden und ungewöhnlichen Grippewelle“. Von 150 krank gemeldeten Zugbegleitern war die Rede.

„Es kann nicht sein, dass gerade dann, wenn Berliner und Potsdamer, die sonst die Eisenbahn vielleicht nicht nutzen, enttäuscht werden durch übervolle Züge“, sagte Peter Cornelius vom Fahrgastverband Pro Berlin Berlin-Brandenburg . Er kritisierte nicht nur die Bahn. „Offenbar sind die vertraglichen Regelungen des Verkehrsverbunds und des Landes Brandenburg nicht geeignet, zu Spitzenzeiten einen ordnungsgemäßen Verkehr sicherzustellen.“ Im April waren auch schon die Ausflugszüge nach Neustrelitz und Prenzlau betroffen, die seitdem fast schon regelmäßig ausgefallen sind.

Die DB gelobt Besserung – und sieht ein Ende der Zugstreichungen in Sicht. „Wir stellen zusätzliche Lokführer ein, um kurzfristige Krankmeldungen besser puffern zu können“, sagte der Bahnsprecher. Im Juli würden 14 Lokführer ihre Ausbildung bei DB Regio Nordost abschließen, berichtete er. „Sie sind sofort einsetzbar.“