Berlin - Kleidungsstücke, Papierrollen oder Getränkedosen - es gibt kaum etwas, was nicht in Zugtoiletten landet. Neben verstopften Klos gibt es aber auch noch ganz andere Probleme, über die sich nicht nur Fahrgäste ärgern: gestohlene Wasserhähne und Abwasserrohre oder auch berüchtigte Klassiker wie beschmierte Wände und zerschnittene Sitzpolster.

Mitarbeiter der DB Regio-Werkstatt Berlin-Lichtenberg zeigten am Dienstag in einem Zug der Linie RE 5 einige solcher Beispiele für Vandalismus und erläuterten, wie sie schneller und effektiver dagegen vorgehen wollen. Dadurch soll die Pünktlichkeit verbessert werden, denn während einer Reparatur kann ein Zug nicht fahren.

Klebefolie kostet rund 2000 Euro je Toilette

An den Wänden einiger Toiletten finden Fahrgäste jetzt blühende Rapsfelder vor. Die an eine Fototapete erinnernde Klebefolie koste rund 2000 Euro je Toilette, spare langfristig aber Geld. „Von der Folie lassen sich Graffitis leichter wieder abwischen“, sagte Produktionsleiter Bernd Schniering. Die Reinigung unbeklebter Wände durch eine externe Firma schlage mit bis zu 1000 Euro zu Buche.

Aufkleber auf den Toilettendeckeln mit dem Spruch „Mission freier Abfluss: hier nur Toilettenpapier“ weisen auf eine andere Selbstverständlichkeit hin, die es aber für manche nicht ist. Denn immer wieder landen auch Papierhandtücher in den Abflüssen und verstopfen diese. Die Bahn setze deshalb jetzt auf Handtücher, die sich leicht in Wasser auflösen, so Schniering.

Waschgang mit Zitronensäure

Um das komplizierte Rohrleitungssystem auch von Ablagerungen zu befreien, nutzten die Mitarbeiter laut Werkstattleiter Olaf Möller bislang einen einfachen Wasserschlauch. Ein 40.000 Euro teures Gerät soll die Arbeit nun effektiver gestalten: Es erhitzt mit Zitronensäure angereichertes Wasser, das in die Leitungen gespült wird und dort unter anderem Kalk löst. Das Gerät pumpt das Schmutzwasser auch wieder ab - so sollen ebenfalls Verstopfungen verhindert werden. Die Toilettenbecken selbst samt Kabeleien werden vor Reparaturen in einer eigenen Waschmaschine gereinigt.

„Wenn alle Toiletten eines Zuges verstopft sind, müssen wir ihn aus dem Verkehr nehmen“, berichtete der Produktionsleiter. Der Fahrgastverband Pro Bahn bemängelt, dass es oft zu wenige Toiletten in den Zügen gibt. „Es ist alles auf Kante genäht“, sagte Sprecher Karl-Peter Naumann. Da falle es schnell auf, wenn mal eine Toilette defekt sei. DB Regio argumentiert dagegen damit, dass die Ausstattung vom Auftraggeber VBB so bestellt sei.

Es sei auch schon passiert, dass plötzlich alle Wasserrohre unter den Waschbecken fehlten. Schniering: „Der RE 5 ist eine lange Linie. Der Dieb hatte viel Zeit.“ Auch dieser Zug konnte vorerst nicht mehr fahren.

Jeder Zug muss alle 27 Tage gewartet werden

Etwa 70 Prozent dieser so genannten „Komfortstörungen“ werden in der Lichtenberger Werkstatt binnen 24 Stunden abgestellt. Darüber hinaus werden zehn Prozent der Reparaturen - etwa auch an Türen oder Bildschirmen in den Wagen - von Mechanikern, Elektronikern oder Mechatronikern erledigt, die außerhalb der Werkstätten im Einsatz sind. Das erspart den Aufenthalt in der Werkstatt. „Wir wollen diese Quote noch erhöhen“, versicherte Schniering.

Vor etwa zwei Jahren startete DB Regio Nordost ihm zufolge ein Optimierungsprogramm. Das Werk in Lichtenberg sei eines der bundesweit ersten gewesen, das dieses Programm durchlaufen hätten. „Wir haben jeden Stein umgedreht und geschaut, wo wir besser und schneller werden können“, ergänzte eine Sprecherin. Die Pünktlichkeit der Züge habe sich von rund 94 Prozent im Jahr 2017 auf 96 Prozent erhöht, so Schniering.

Die DB Regio verfügt nach eigenen Angaben über 550 Fahrzeuge. Werkstätten gibt es auch in Rostock, Cottbus, Neuruppin und Neubrandenburg. Täglich fahren 1400 Züge durch Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie legen rund 120.000 Kilometer täglich zurück. Jeder Zug muss regulär alle 27 Tage gewartet werden. Auf eine solche Wartung kommen derzeit zusätzlich noch zwei Aufenthalte in der Werkstatt wegen Störungen. (Anja Sokolow, dpa)