Amsterdam ist eine teure Stadt. Selbst die Toilette im Nachtclub kostet Geld. 
Foto: Bernd F. Meier

BerlinAls ich kurz nach meinem Abitur nach Berlin gezogen bin, gab es eine Sache, die ich sofort an der Stadt mochte: Geld schien hier irgendwie keine große Rolle zu spielen, was logisch ist, denn so richtig viel Asche hatte in Berlin Mitte der Nuller Jahre niemand – zumindest niemand, den ich kannte und erst recht nicht ich selbst.

Rückwirkend betrachtet war das kein großes Problem: viele Dinge waren in Berlin umsonst. Dank Semesterticket fuhr ich gratis U-Bahn, es gab einen eintrittsfreien Nachmittag in staatlichen Museen; die Klubs, in die ich ging, waren vor allem unter der Woche umsonst, am Wochenende kannte man immer irgendwen, der einen auf die Gästeliste setzte.

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Klaus Wowereit hatte kurz zuvor die „Arm, aber sexy“-Ära für Berlin ausgerufen und meine Freundin Joana und ich hingen regelmäßig im Ikea-Restaurant am Südkreuz rum und tranken umsonst Ikea-Family-Card-Flatrate-Kaffee bis zum Sodbrennen, wenn wir mal wieder zu sexy für Zuhausebleiben, aber zu arm für echte Cafés waren. Schöne Zeiten waren das.

Karte für Party in Amsterdam eine Wocher vorher buchen

Inzwischen wohne ich in Amsterdam und verdiene zwar ausreichend Geld, um mir auch selbst in den letzten zehn Tagen eines Monats besseres Essen als Nudeln ohne Soße leisten zu können, bin aber von einer Sache immer wieder irritiert: Geld scheint hier eine riesengroße Rolle zu spielen, was leider auch logisch ist, denn Amsterdam ist seit jeher eine Stadt der Kaufleute und ich schätze, den Titel bekommt man wohl nicht, wenn seine Einwohner ständig alles verschenken würden.

Schauen Sie mich an: das ist jetzt schon die zweite Kolumne in Folge, die sich um Geld dreht – was hat diese Stadt bloß aus mir gemacht? Dabei kann ich gar nichts dafür, die Münzen und Scheine fliegen einem hier förmlich aus der Tasche. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie möchten in Amsterdam feiern gehen. Dann suchen Sie sich nicht etwa eine Party aus und gehen einfach hin.

Nein, nein, stattdessen buchen Sie Wochen im Voraus eine Eintrittskarte, die Sie möglicherweise verfallen lassen, falls Sie am Abend spontan doch keine Lust haben auszugehen. Sie raffen sich aber auf, gehen zur Party und bezahlen, um Ihre Jacke aufzuhängen, für Wertsachen wird keine Haftung übernommen. Ein erstes Getränk wird Sie ein bisschen in Stimmung bringen, denken Sie, aber gehen Sie keinesfalls direkt zur Bar.

Reich, aber blöde in Amsterdam 

Erstmal müssen Sie eine hauseigene Währung erwerben, rote Plastikmünzen etwa. Für 20 Euro bekommen Sie 7 rote Münzen. Sie sind schlecht in Mathe und vergessen direkt, was eine Münze wert ist. An der Bar kostet jedes Getränk zwei oder drei Münzen, sodass Sie zu jedem Zeitpunkt mindestens eine Münze übrig haben. Sie bleiben noch, trinken ein paar Getränke.

Um auf die Toilette zu gehen, bezahlen Sie einen Euro. An der Flüssigkeit, die Sie im Klo herunterspülen, hat der Amsterdamer Veranstalter nun schon zweimal verdient, denken Sie. Als Sie die Toilette verlassen, bietet die Klofrau Ihnen eine Pipiflatrate für 2,50 Euro an. Sie kaufen sie, gehen aber kurz danach nach Hause, denn Sie werden müde.

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Auf dem Heimweg finden Sie noch eine rote Münze in ihrer Tasche. Die ist jetzt nichts mehr wert, denn auf der nächsten Party bezahlt man mit grünen Plastikmünzen. Sie denken an Berlin, als Sie noch arm, aber sexy waren. Jetzt aber sind Sie in Amsterdam. Und hier sind Sie reich, aber blöde.