Berlin - Zum ersten Mal in diesem Jahr ist in Berlin ein Fahrradfahrer bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Am Mittwochvormittag wurde ein 30 Jahre alter Mann in Kreuzberg tödlich verletzt. Er war gegen 10.30 Uhr auf seinem Rad auf der Glogauer Straße neben einem Container-Laster unterwegs. Als der Lastwagen nach rechts in die Reichenberger Straße abbog, wurde der Kreuzberger überrollt.

Der Radfahrer war auf der Stelle tot. Der ebenfalls 30 Jahre alte Lkw-Fahrer erlitt einen Schock, er musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann den Radler in den Rückspiegeln nicht gesehen hat.

„Für mich ist es ein Rätsel, dass ein Radfahrer, der neben einem Lkw fährt, der abbiegen will, nicht anhält oder sich darauf einrichtet“, sagte ein Polizist am Unfallort. Die Kreuzung war mehrere Stunden lang abgesperrt. Zur Rekonstruktion des tödlichen Unglücks setzte die Polizei eine Drohne ein. Mit diesen Fluggeräten sind die Ermittler in der Lage, Unfallorte zu vermessen. Am Abend hatten sich an der Unfallstelle etwa 30 Menschen zu einer Mahnwache getroffen.

Sechs Senioren starben

Zuletzt war im März in der Friedrichstraße eine Radfahrerin von einem Lkw überrollt und schwer an den Beinen verletzt worden. Laut Polizei stieß die 29-Jährige mit dem Lastkraftwagen zusammen, als sie die Kreuzung Kochstraße / Rudi-Dutschke-Straße überqueren wollte. Der 60-jährige Lastwagenfahrer hatte die Frau beim Abbiegen übersehen.

Im vergangenen Jahr waren Fehler beim Abbiegen die Ursache von 1595 Radfahrerunfällen in Berlin. Im Vergleich zu 2013 ist diese Zahl um 15 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der Radfahrerunfälle nahm in Berlin deutlich zu: um fast elf Prozent auf 7699. Zehn Fahrradfahrer kamen 2014 ums Leben, sechs waren älter als 65 Jahre. Fehlerhaftes Abbiegen spielte auch bei den Todesfällen eine Rolle. In drei Fällen mussten Radfahrer sterben, weil sie von Lastwagenfahrern beim Rechtsabbiegen übersehen worden waren, in einem vierten Fall ereignete sich der Unfall beim Linksabbiegen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), die Dekra und andere Verkehrsexperten fordern, Lastwagen mit Fahrerassistenzsystemen auszustatten. Diese Technik hilft den Fahrern den Überblick zu behalten. Die Radlerlobby verlangt zudem, dass die Polizei öfter kontrolliert, ob Fahrer vor dem Rechtsabbiegen nach hinten schauen.

Die Piraten fordern verbindliche politische Vorgaben, damit der Radverkehr gefördert wird. Doch SPD und CDU lehnten den Antrag am Mittwoch im Verkehrsausschuss ab. „Die vom Senat seit Jahren angekündigte Schwerpunktsetzung auf den Radverkehr lässt auf sich warten“, sagte der Abgeordnete der Piratenpartei, Andreas Baum. „Die Situation für radfahrende Berlinerinnen und Berliner bleibt desaströs und damit oft lebensgefährlich.“