Reinickendorf - In einem Waldstück in Reinickendorf hat ein Rentner ein zutrauliches Wildschwein geschlachtet. Nach Ansicht von Polizisten ist dies zwar eine skurrile, aber auch traurige Geschichte.

Von einem Lidl-Parkplatz an der Karolinenstraße aus sah ein Zeuge am Donnerstagabend, wie sich in dem Waldstück um das Tegeler Fließ ein Mann vorsichtig einem Wildschwein näherte. Das Tier hatte offenbar keine Angst vor dem Menschen. Plötzlich holte der Mann mit einer Axt aus und schlug zu.

Der Zeuge wählte den Polizeinotruf 110. In der Nähe des Parkplatzes traf gegen 22.40 Uhr eine Funkstreife ein. Die Beamten sahen eine Frau, die in einem geparkten Auto saß. „Ich warte auf meinen Mann, der gleich von der Arbeit kommt“, sagte die 75-Jährige. Was sie mit „Arbeit“ meinte, stellte sich bald heraus, als sich die Polizisten weiter in der Umgebung umschauten.

Der Täter versteckte sich im Gebüsch

Sie fanden zwischen den Bäumen eine enthauptete Bache. Nach Angaben der Polizei war das Wildschwein schon gehäutet und teilweise ausgenommen. Eingeweide und größere Stücken Fleisch waren bereits in einer Kiste verpackt. Eine Axt und ein Messer lagen daneben. Der Täter versteckte sich im Gebüsch.
Bei dem Mann handelt es sich um einen 80 Jahre alten ehemaligen Fleischer. Er gab zu, das zutrauliche Tier mit der Axt erschlagen zu haben, um es dann zu schlachten und auszunehmen. Er zeigte den Polizisten auch den abgetrennten Kopf des Tieres.

Die Beamten übergaben die Kadaverteile dem Förster und beschlagnahmten die Schlachtwerkzeuge. Den 80-Jährigen zeigten sie an wegen des Tatbestands der Jagdwilderei. Als Grund für seine Tat gab der Rentner an, dass er sich das gute Wildschweinfleisch einfach nicht leisten könne.

Die Zahl der Fälle von Wilderei steigen in Berlin seit Jahren an. Im Jahr 2016 zählte die Kriminalstatistik 120 dieser Delikte. Im vergangenen Jahr waren es bereits 151 Fälle. Wilderei wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.