An manchen Tagen sind sie eine echte Plage: An den Touristenorten am Boulevard Unter den Linden, am Checkpoint Charlie, am Kurfürstendamm oder an der East Side Gallery parken sie die Straßen zu, nehmen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern den ohnehin knappen Raum, spucken ihre desorientierten Insassen aus und dieseln dabei auch noch lautstark die Gegend zu.

Mancher vergleicht die Busse schon mit kleinen Kreuzfahrtschiffen. Und diese gelten selbst in der Reisebranche längst als lästige Umweltverpester, die Städten wie Barcelona oder Venedig, über die sie in Scharen herfallen, mehr Schaden als Nutzen bringen.

Reisebusse für Tourismusbranche unverzichtbar

Die Gleichsetzung Reisebus-Kreuzfahrtschiff würde Christian Tänzler nie mitmachen. Reisebusse seien für die Branche unverzichtbar, sagt der Sprecher der Tourismusgesellschaft visit Berlin. Irgendwie müssten die Besucher schließlich an ihr Ziel gebracht werden – sei es eines der weltberühmten Museen auf der Museumsinsel, der Fernsehturm, der Mummenschanz am Checkpoint Charlie, die besprayte Hinterlandmauer in Friedrichshain oder natürlich das Brandenburger Tor. „Und das möglichst nahe“, sagt Tänzler. Und besser als wenn jeder im eigenen Auto anreist, seien die Busse allemal.

Dennoch tut Regulierung ganz offensichtlich Not. Jetzt wendet sich ein Zusammenschluss aus Humboldt Forum, Berliner Dom, Staatliche Museen, Hochschule für Musik Hanns Eisler, Zentral- und Landesbibliothek Berlin und ESMT Berlin – gemeinsam nennen sie sich Interessengemeinschaft Kultur und Bildung Spreeinsel, kurz: IG Spreeinsel – gegen Pläne des Senats, einen neuen Busparkplatz auf der Spreeinsel Dom einzurichten. Ein solcher Parkplatz drohe die ohnehin kritische Situation weiter zuzuspitzen, heißt es. Schließlich zähle man schon jetzt zu bestimmten Zeiten zehn Busse allein am Berliner Dom.

Niemand weiß, wie viele Reisebusse in Berlin unterwegs sind

Ein ganz grundsätzliches Problem für Stadtplaner und Verkehrslenker ist dabei, dass niemand weiß, wie viele Reisebusse in Berlin tatsächlich unterwegs sind. Visit Berlin-Sprecher Tänzler kann auch nur aus einer schon etwas älteren Umfrage zitieren, bei der abgefragt wurde, mit welchem Verkehrsmittel Berlins Urlaubsgäste anreisen. 35 Prozent kamen demnach per Flugzeug in die Stadt, 29 Prozent per Bahn, 25 Prozent per Privatauto und 9 Prozent per Bus. Nicht mitgezählt sind dabei die unzähligen Menschen, die etwa aus beruflichen Gründen per Bus anreisen, sei es per Reisebus oder per Fernbus.

Bei visit Berlin hat man sich zum aktuellen Konflikt auf der Spreeinsel noch keine Haltung zurechtgelegt, von den umliegenden Hotels habe man jedenfalls noch keine Klagen gehört, sagt Tänzler. Jetzt hoffe man darauf, worauf wohl alle hoffen: „einen Kompromiss, mit dem alle leben können“, wie Sprecher Tänzler sagt.