Berlin - Für viele Berliner ist Tegel ohne Zweifel der Flughafen der Herzen, kompakt, zentrumsnah und mit einer genial geplanten Architektur-Ikone als Kern. Andere Fluggäste, vor allem aus dem Ausland, empfinden TXL als überfüllte Budenstadt, die der Hauptstadt eines der wichtigsten Industrieländer nicht würdig sei.

Eines ist auf jeden Fall klar: Für seinen Betreiber ist der Flughafen Tegel eine Goldgrube. Im vergangenen Jahr hat die Berliner Flughafen-Gesellschaft erneut dicke schwarze Zahlen geschrieben. Der Rekordgewinn beläuft sich auf 142,1 Millionen Euro.

Das geht aus dem Geschäftsbericht der Flughafengesellschaft FBB für 2018 hervor. Im Vergleich zum Vorjahr, als das Tochterunternehmen ein Jahresergebnis von 112 Millionen Euro verbuchte, konnte der Gewinn um mehr als ein Viertel gesteigert werden. Verglichen mit 2013 beträgt er das Zweieinhalbfache.

Jeder, der in jüngster Zeit in Tegel war, konnte dort feststellen: Der Flughafen brummt. Die Wachstumsraten des innerstädtischen Flughafens liegen weit über den deutschen Durchschnittswerten. Während die Zahl der Fluggäste in Schönefeld im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent zurückging, nahm sie in Tegel um 7,5 Prozent zu – auf 22 Millionen.

Jahrelang wurde nur das nötigste in Berlin-Tegel investiert 

Die Zahl der Starts und Landungen in TXL stieg von knapp 169.000 auf rund 182.000. Das ist schlecht für die Anwohner, aber gut für die Bilanz der Betreibergesellschaft und deren Mutterunternehmen, die FBB.

Für jeden Flug bekommt das Unternehmen, das Berlin, Brandenburg und dem Bund gehört, von den Airlines Gebühren. Vermietungen bringen weitere Einnahmen. In Tegel wurde das Einzelhandels- und Gastronomieangenot „optimiert“, heißt es in dem Geschäftsbericht. Dadurch konnten die Nachwirkungen der Air-Berlin-Pleite von 2017 ausgeglichen werden. Easyjet hat die Lücke mehr als ausgefüllt.

Zwar gingen die Mieteinnahmen im Einzelhandel leicht zurück, und auch beim Parken und beim zollfreien Einkauf ist die Entwicklung negativ. Doch im Gastronomiebereich und bei der Flughafenwerbung konnten die Erlöse im Vergleich zu 2017 erhöht werden, so der Bericht.

Jahrelang war in Tegel nur das Nötigste investiert worden. Mit Blick auf den 3. Juni 2012, die lange Zeit angepeilte Eröffnung des Flughafens BER, hielt sich die Flughafengesellschaft zurück. Auch davor sei immer schon sparsam gewirtschaftet worden, berichteten Kenner des Luftverkehrs.

Eine interne Mängelliste der Flughafengesellschaft zeigte, welchen prekären Zustand der am stärksten genutzte Berliner Airport 2015 erreicht hatte. Die Gepäckförderanlagen seien „veraltet und am Kapazitätslimit“, lautet der Befund damals. Auch die mehr als 40 Jahre alten Leitungen für Trink-, Schmutz- und Feuerlöschwasser wurden als Problemzonen dargestellt. Verstopfungen und Rohrbrüche seien häufig. Bei den Toiletten seien „veraltete Ausstattung und Geruch“ häufig.

Berlin-Tegel bekommt schlechte Noten von manchen Passagieren

Inzwischen hat die Flughafengesellschaft wieder Geld in den wichtigsten Airport Ostdeutschlands gesteckt. So wurden im vergangenen Jahr Fahrstühle repariert, Sicherheits- und Videotechnik ausgetauscht sowie Rollwege erneuert.

Trotzdem bekommt der Flughafen, der rund drei Mal so viele Passagiere hat wie Anfang der 90er-Jahre, immer wieder schlechte Noten. Die Bewertungen, die das Beratungsunternehmen Skytrax publiziert, sind für Tegel-Fans eine unangenehme Lektüre. „Keine Sitzgelegenheiten, überfüllt, schlechte Wegweisung, Personal, das nicht hilfreich war“: Dieses Fazit zieht ein Fluggast aus Großbritannien in einem Eintrag vom 17. Juli.

„Schrecklich“, bilanziert ein Deutscher am 29. Juli. Nach einem Flug aus der Ukraine nach Tegel fand er bei der Passkontrolle ein Durcheinander vor. „Doch das Schlimmste kam noch. Die Gepäckausgabe ist ein Witz.“ Für die Passagiere mehrerer Flugzeuge setzte sich nur ein Gepäckband in Bewegung, Sitzgelegenheiten und eine Klimaanlage fehlen.

Die Fahrt vom Bahnhof Zoo war effizient, zügig und preiswert, lobte ein Brite, ebenfalls bei Skytrax. Doch die Sicherheits- und Passkontrolle sei ein Albtraum gewesen – „mit langen Warteschlangen und Mitarbeitern, die sich gegenüber Passagieren, die Fehler machten, feindselig verhielten“, hieß es. Für die Passkontrolle waren nur zwei Bundespolizisten eingesetzt – für die Nutzer von fünf Flugzeugen.

Umzug zum BER innerhalb von drei Wochen

Weiterhin gilt der Plan, wonach der Flughafen BER in Schönefeld im Oktober 2020 in Betrieb gehen soll. Der Flughafen Tegel soll dann noch sechs Monate lang betriebsbereit bleiben, doch der Flugbetrieb soll in relativ kurzer Zeit umziehen.

„Der Umzug von Tegel zum BER wird maximal drei Wochen dauern, und danach wird der Flugverkehr komplett am BER stattfinden“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Für die Schließung wurden 9,3 Millionen Euro zurückgestellt. Vielleicht werde noch mehr Geld nötig, falls Altlasten zu sanieren sind, so der FBB-Bericht.

Aller Voraussicht nach wird sich Tegel auch in diesem Jahr gut auf die Bilanz auswirken. Die Flughafengesellschaft rechnet aber damit, dass die Vorbereitungen für die BER-Eröffnung, höhere Ausgaben für die Instandhaltung, Beratung sowie für zusätzliche Beschäftigte das Ergebnis 2019 tiefer in die roten Zahlen drücken werden. Erwartet wird ein Verlust von 110 Millionen Euro. 2018 betrug der Fehlbetrag des FBB-Konzerns noch rund 77 Millionen Euro.