Die Gründer des Berliner Start-ups Hellofresh haben das Ikea-Prinzip in die Küchen junger Großstadt-Paare gebracht: Essen zum Selberkochen mit Zutaten aus dem frei Haus gelieferten Pappkarton als Alternative zur Pizza vom Boten und Fertiggerichten aus der Tiefkühltruhe. Seit elf Jahren funktioniert das Geschäft nicht nur, sondern es wird immer erfolgreicher. Das erste Quartal dieses Jahres schloss der Kochboxenlieferant mit Rekordergebnissen ab.

So wuchs die Zahl der Kunden weltweit um 17 Prozent auf 8,52 Millionen. Es wurde zudem mehr und teurer bestellt, was dem Unternehmen schließlich einen Umsatz bescherte, der den Angaben zufolge ein Allzeithoch markiert: 1,9 Milliarden Euro. Davon blieb jedoch weniger übrig. Das Ergebnis ging um 38 Prozent auf 99,3 Millionen Euro zurück, was vom Unternehmen mit gestiegenen Lebensmittelpreisen sowie Kosten für den Ausbau von Produktionskapazitäten begründet wird.

Expansion nach Japan

Dass es mit diesem Tempo weitergeht, ist zu erwarten. Erst vor wenigen Tagen wurde der Einstieg in den japanischen Markt bekannt gegeben, wo man 53 Millionen Haushalte mit einem hohen Durchschnittseinkommen als ertragreiche Zielgruppe ausgemacht hat. In jedem Fall erwartet das mittlerweile auch in der obersten deutschen Börsenliga gelistete Berliner Dax-Unternehmen in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von wenigstens 20 Prozent auf mehr als 7,2 Milliarden Euro. Der Gewinn soll auf bis zu 800 Millionen Euro steigen.

Allerdings gab es auch Rückschläge. Die 2018 gegründete Tochter-Firma Hellofresh Go musste Ende März Insolvenz anmelden. Das Unternehmen wollte mit eigenen Kühlschränken in Firmen dort die klaffende Lücke verschwundener Kantinen füllen. Doch dann kam Corona. Homeoffice und eine „mehrjährige deutlich geringere Auslastung der Büros, haben das Geschäft für Hellofresh Go strukturell erschwert“, hieß es in einer offiziellen Erklärung. 80 Mitarbeiter sind betroffen. Insgesamt hat Hellofresh aktuell etwa 15.000 Beschäftigte.