Religionsverständigung: Suren in der Berliner S-Bahn

Berlin - Das Bild des Islams in Deutschland sei abschreckend, sagt der Imam der Khadija Moschee in Heinersdorf, Abdul Basit Tariq. Muslime würden ihre Frauen unterdrücken und sie im Notfall sogar im Namen der Religion umbringen. Ein verheerendes Image, und dabei sei ein solches Verhalten doch unislamisch, sagt der Imam. Jede Form von Zwang lehnt Tariq ab. Seine Gemeinde, Teil der Bewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat, hat jetzt einige tausend Euro in eine Kampagne investiert, um Berlinern den Islam als friedliche Religion nahe zu bringen. In diesem Monat fahren auf Initiative der Gemeinde in S-Bahnen Plakate mit Lehrsätzen aus dem Koran mit. „Der Beste unter euch ist derjenige, der seine Frau am besten behandelt“, steht auf einem. „Es soll kein Zwang sein im Glauben“ auf einem anderen.

Moderne, tolerante Aufklärung nennt der Imam das und so sei auch seine Gemeinde. Die 250 Plakate der Ahmadiyya sind Teil einer bundesweiten Kampagne, die schon im vergangenen Jahr in Hamburg und München begonnen hat. Dass die Plakate nun in Berlin aufgehängt werden, unmittelbar nachdem Salafisten gerade Koranexemplare auf Berliner Straßen verteilt haben, ist Zufall. Die Ahmadiyya distanzieren sich von den Salafisten. Es fällt aber auf, dass sich in letzter Zeit immer mehr muslimische Gemeinschaften gezielt an die nicht-muslimische Bevölkerung wenden. Das ist zu begrüßen. Lange wurde beklagt, dass sich islamische Vereine in Hinterhofmoscheen verkriechen und niemand weiß, was dort eigentlich vorgeht. Die Ahmadiyya bietet sich an, Fragen zu stellen. Integriert, trotz Kopftuch, nennt der Imam die wertkonservative, aber gleichzeitig reformorientierte Haltung. In der kommenden Woche lädt die Gemeinde zur Vortrags- und Diskussionsrunde über die Frau im Islam. Wir sollten das Angebot annehmen.