Wustermark - Pferdebesitzer aus Brandenburg vermuten, dass sie womöglich Opfer einer betrügerischen Masche geworden sind. Es geht um gehandicapte Sportpferde, die spurlos verschwanden. Die Besitzer wollten ihren liebgewonnenen Pferden eigentlich einen geruhsamen Lebensabend auf der Koppel gönnen. Doch nun gibt es einen schlimmen Verdacht: Entgegen den Absprachen und Verträgen mit den Vorbesitzern soll eine sich tierlieb gebende Frau aus Niedersachsen die Pferde womöglich weiterverkauft haben – und zwar als fitgespritzte Reitpferde.

Mittlerweile kenne man 39 Betroffene aus mehreren Bundesländern, hieß es in einer gemeinsamen Facebook-Gruppe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, 25 Anzeigen liegen laut der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung bereits vor.

Anzeige auf Ebay suchte nach sogenannten Beistellpferd

Franziska Pade aus Wustermark (Havelland) ist eine von ihnen. Sie sucht seit über einem Jahr nach ihrem Calando, wie sie im Gespräch mit der Berliner Zeitung sagte. Die Lehramtsstudentin hatte demnach ihren rotbraunen Wallach im Mai 2016 in die Obhut der Frau im niedersächsischen Grasberg gegeben. Acht Jahre lang waren die 24-jährige Reittrainerin und ihr ausgebildetes Reitpferd unzertrennlich. Doch nach einer Hufverletzung musste Calando im Alter von elf Jahren seine Sportkarriere beenden. Als Franziska Pade aufgrund eines Tumorleidens keine Zeit mehr fand, um sich um Calando zu kümmern, musste eine Lösung her.

Die Brandenburgerin suchte im Internet nach einem neuen Heim für das ehemalige Sportpferd. „Tierlieb sollte der neue Besitzer sein“, erzählt die 24-Jährige. Im Internet entdeckte sie auf Ebay eine Anzeige. Eine Pferdehalterin suchte für ihre einsame Zuchtstute Gesellschaft, also ein sogenanntes Beistellpferd. Auf diese Weise soll sich die Inseratin der Anzeige womöglich viele gehandicapte Sportpferde für wenig Geld angeschafft haben.

Die Opfer vermuten eine perfide Masche

„Die Frau kam mir sehr seriös vor. Ich war mehrmals bei ihr und schaute mir alles an“, sagt Franziska Pade. Für einen symbolischen Euro verkaufte sie schweren Herzens ihren Calando. Wenn sie an ihn dachte, sah sie ihn mit einer Zuchtstute auf einer Koppel tollen. Mehrmals wollte sie ihn in Niedersachsen besuchen. Immer wieder wurde sie von der Frau vertröstet. „Ich wurde hingehalten. Mal war ihre Mutter krank, mal war sie depressiv. Als ich nachhakte, wurde sie immer zickiger“, erinnert sich Franziska Pade. Irgendwann ging die Frau nicht mehr ans Telefon. Ihr vorbestrafter Lebensgefährte soll die 24-Jährige zudem eingeschüchtert haben.

Franziska Pade und die anderen Betroffenen vermuten eine perfide Masche. „Wir sind der Meinung, dass sie ehemalige Sportpferde für einen Euro günstig aufnimmt. Dann wird den Tieren Hyaluronsäure oder Kortison gespritzt, um sie kurzzeitig fit zu machen“, meint die Reittrainerin. In diesem Zustand könnten die Tiere für mehrere Hundert Euro als gesunde Reitpferde wieder verkauft worden sein, so Franziska Pade. Eine Halterin, die ihr eingeschränktes Sportpferd an das Paar abgegeben hatte, fand ihr Tier in einer Verkaufsanzeige im Internet wieder. Es soll als fittes Reitpferd für 6 000 Euro angeboten worden sein.

Mittlerweile haben viele Opfer des Pärchens Kontakt miteinander. Eine 48-jährige Frau hatte auf Facebook eine Suchanzeige nach ihrem Pferd veröffentlicht. Daraufhin meldeten sich immer mehr Betroffene. In allen Fällen fühlen sich die Opfer betrogen oder belogen. Womöglich sollen einige Pferde bereits tot sein. Es gibt nämlich einen weiteren Verdacht: Es könnten auch einige kranke Pferde an eine Rossschlachterei verkauf worden sein, spekulieren die Betroffenen im Internet.