Berlin - Er liebt diese Ecke, ihre Bürgerlichkeit, die vielen kleinen Geschäfte, nicht zu viele Touristen. Adnan Oral, 52, sitzt in seinem leergeräumten Restaurant „Adnan“ und blickt durch die hohen Glasscheiben auf den breiten Gehweg. Er trägt ein blau-weiß gestreiftes Hemd, dunkelblaue Hosen und braune Slipper und sieht so aus, als wolle er gleich segeln gehen.

Draußen halten vier Männer mit glattem Haar in dunklen Anzügen und starren durch die Scheiben und nun auch eine blonde Frau in weißem Strickpullover. „Frau Deppendorf!“, ruft Adnan, wie er von allen genannt werden möchte, und öffnet die Tür. Frau Deppendorf, die Ehefrau des Journalisten Ulrich Deppendorf, fragt: „Ist geschlossen?“ „Ich renoviere. In vier bis sechs Wochen ist wieder offen.“ „Na dann, frohes Schaffen.“

Seit dem Wochenende ist das „Adnan“ in der Charlottenburger Schlüterstraße geschlossen, drei Wochen nach dem zehnjährigen Jubiläum. Plötzlich, ohne Vorankündigung. Schon am Sonntag war der Gastraum leergeräumt, weshalb Boulevardzeitungen gleich über eine Schließung des West-Berliner Prominentenlokals spekulierten, in dem Daniel Barenboim Stammgast ist und Angela Merkel schon speiste. Schließlich war genau das mit dem Lokal „Bley“ vor einem Jahr geschehen. Adnan hatte es wegen angeblicher Umbauten geschlossen, aber nicht wieder geöffnet.

„Das Bley, das Shell, das Roseneck, das sind andere Sachen“, sagt Adnan, „hier muss wirklich renoviert werden. Sehen Sie, der Boden ist komplett durchgetreten.“ Er trippelt über die durchhängenden Holzdielen hinter der Theke und schichtet seine Hände in der Luft über einander. „Die müssen abgezogen und in mehreren Lagen neu versiegelt werden. Und die Küche war auch nicht mehr zeitgemäß.“ Der Wirt zeigt die geleerten Kühlräume, die engen Gänge um den Herd, hängende Kabel. „So haben wir gearbeitet. Ich habe Glück, dass das Gesundheitsamt das nicht fotografiert hat.“

Schon seit Längerem wollte Adnan Oral sein Lokal renovieren, erst Weihnachten, dann Ostern, „aber es ist nicht passiert.“ Der jetzige Termin sei geplant gewesen, nur habe er das nicht öffentlich mitgeteilt, „das war mein Fehler. Ich hätte Spekulationen so vermieden.“ Das Restaurant soll bleiben, wie es ist, nur mit einer etwas anderen Ausrichtung der Küche, weshalb Adnan Oral neue Köche und Kellner sucht. Mehr Grillsachen werde es geben, sagt der Wirt, dessen Lieblingsgericht Pellkartoffeln mit Quark sind, mehr nicht. Die Wände werden nicht gestrichen, es kommen keine Fotos daran, und Musik wird es auch nicht geben, wie gehabt.

Auch mit der gerade laufenden Renovierung des Gebäudes Schlüterstraße, Ecke Mommsenstraße, in dem sich das „Adnan“ befindet, habe die vorübergehende Schließung des Lokals nichts zu tun. „Ich bin absolut einig mit meinen Vermietern“, betont Adnan. Dies seien norwegische und finnische Investoren, „die mein Restaurant als Aufwertung der Gegend empfinden“, sagt er und versucht, bescheiden zu wirken. „Sie haben mich sogar gelobt. Genauso wie die Gäste, vor allem die Ausländer. Ihnen gefällt, dass es bei mir nicht laut und schrill ist wie in Prenzlauer Berg und Mitte, sondern gediegen und bürgerlich.“