Reptilienzucht: Krokodile made in Brandenburg

Golzow - Wer das Wohnzimmer von Karl-Heinz Voigt betritt, hört zunächst ein undefinierbares Geräusch, ohne zu wissen, woher es kommt. Dieses hohe Quäken klingt wie seltsame Urwaldschreie. Doch in diesem Raum gibt es keine Palmen, keinen Dschungel. Nur eine Schrankwand. Und genau dort steht ein großes Terrarium, das flach mit Wasser gefüllt ist. In dem Glasbehälter liegen sieben kleine gepanzerte Wesen und schauen munter umher. Die kleinen Ruhestörer sind noch nicht einmal zwei Monat alt. Es sind Brillenkaimane, die sich mit den kuriosen Lauten verständigen.

Doch nicht nur die 25 Zentimeter langen Mini-Panzerechsen leben bei Voigt. Der 55-jährige Feuerwehrmann betreibt in seinem Haus mit Garten in Golzow (Märkisch-Oderland) eine Krokodilstation. Zusammen mit den sieben Neuankömmlingen hat er mittlerweile 20 Brillenkaimane, einen China-Alligator und 20 Schildkröten.

Ehe er sich die exotischen Tiere zulegte, hatte Voigt ein ganz harmloses Hobby: Seit 1980 züchtet er Palmen, Kakteen und Zitrusbäumen aus fernen Ländern. Später kam ihm die Idee, auch außergewöhnliche Tiere zu halten. Da seine Frau sich gegen die Anschaffung von Schlangen sperrte, fiel die Wahl auf Krokodile. „Die sind pflegeleicht, robust und müssen nur selten gefüttert werden“, sagt Voigt.

Mittlerweile lebt Karlchen, sein erster Kaiman, schon 26 Jahre bei ihm. Im Laufe der Zeit kamen weitere Exemplare der in Südamerika heimischen Tiere hinzu. Einige stammen aus Zoll-Beschlagnahmen, andere hat Voigt gekauft. Einige Tiere leben im beheizten Wintergarten neben dem Wohnzimmer, aber die meisten sind in einem 50 Quadratmeter großen Gewächshaus im Garten untergebracht. Dort gibt es kleine künstliche Teiche und Liegestellen für sie.

Auf dem Speiseplan stehen Geflügel und Fisch

Vom Verkauf der Tiere an andere Echsenfans kann der Feuerwehrmann nicht leben, denn allein die Heizkosten für die Gewächshäuser sind beachtlich. Wegen der hohen Kosten sind die Führungen durch seine Kroko-Farm auch kostenpflichtig. „Immerhin hatte ich im vergangenen Jahr 2000 Besucher“, erzählt er, darunter Schulklassen und Reisegruppen.

Mit zwei seiner Krokodilpärchen züchtet Voigt seit 2008 erfolgreich Nachwuchs. Nach der Begattung legt jedes Weibchen 20 bis 30 Eier in ein Nest aus Sand und Kompost, aus dem der Züchter sie nach einer Woche herausnimmt, um sie unter optimalen Bedingungen auszubrüten. Dazu werden die Eier bei 30 bis 32 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 95 Prozent in einem Brutkasten aufbewahrt. Wenn alles klappt und die Eier befruchtet sind, schlüpfen nach 80 Tagen die Jungtiere.

Die erwachsenen Tiere werden im Sommer einmal wöchentlich und im Winter alle zwei Wochen mit toten Hühnern, Enten und Fischen gefüttert. Der Kaimannachwuchs bekommt lebendige Heimchen, Grillen und kleine Fische in sein Terrarium gesetzt, die er jagen kann.

Dass die kleinen Kaimane schon gleich nach dem Schlupf gut auf ein Leben als Raubtier vorbereitet sind, wird klar, wenn Karl-Heinz Voigt einen von ihnen aus dem Terrarium nimmt und auf seine Hand setzt. Die grün-gelben Augen des Jungtiers fixieren konzentriert den Züchter, die Mini-Echse sperrt warnend ihr Maul auf, in dem zahllose kleine, aber messerscharfe Zähne blitzen.

Auch wenn die Drohgebärden der kleinen Kaimane noch niedlich wirken, stellt die Haltung solch gefährlicher Arten hohe Anforderungen an die Besitzer. „Neben einem Nachweis über die legale Herkunft der Tiere sind umfangreiche Sachkenntnisse sowie artgerechte und vor allem ausbruchsichere Haltungsanlagen wichtig“, sagt Frank Plücken, Artenschutz-Experte des Landesumweltamtes Brandenburg. „Dass die Tiere ausbüxen, kann schließlich nicht gewollt sein.“ Eine Amtstierärztin kontrolliert immer wieder die Farm.

Gefährliches Hobby

Züchter Voigt kümmert sich jeden Tag vier bis fünf Stunden um seine Farm. So sehr er auch von seinem Hobby schwärmt, die Arbeit mit den bis zu zwei Meter langen Kaimanen ist gefährlich. Zwar gewöhnten sich die Tiere mit der Zeit an bestimmte Bezugspersonen. „Doch man darf nie vergessen, dass es sich um Wildtiere handelt“, sagt Voigt. „Sie erkennen einen ganz genau. Das heißt aber nicht, dass sie einen nicht beißen würden.“

Einmal hat es ihn schon erwischt, als er ein Tier einfangen wollte. „Ich habe nicht aufgepasst, da hat Karlchen mir in sechs Finger und den Arm gebissen“. Nach einigen Operationen ist aber wieder alles in Ordnung, sagt Voigt. „Außerdem bin ich nicht nachtragend.“