re:publica 2018: Chelsea Manning kommt nach Berlin

Die US-Aktivistin Chelsea Manning wird im Rahmen der parallel stattfindenden Digitalkonferenzen re:publica und Media Convention Berlin (MCB) in der Kreuzberger Station auftreten. In einer gemeinsamen Keynote (2. Mai, 12.15 Uhr, Bühne 1) spricht die Netzsicherheitsexpertin über „ihr neues Leben als freier Mensch, zivilen Ungehorsam, radikale Politik und die Folgen einer unkontrollierbaren Staatsmacht“, teilten die Veranstalter am Dienstag bei ihrer Programm-Pressekonferenz im Technikmuseum mit.

Die Whistleblowerin hatte 2010 – damals noch als Obergefreiter Bradley Manning, Computerexperte der US-Streitkräfte – 700.000 vertrauliche Dokumente mit Bezug zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan von Militärrechnern heruntergeladen und der Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt. 2013 war sie dafür zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Während der Haft nahm sie eine Geschlechtsangleichung vor und kam 2017 durch einen  Gnadenerlass des damaligen US-Präsidenten Barack Obama frei. Obamas Nachfolger im Weißen Haus, Donald Trump, bezeichnete Manning als „Verräterin“, die das Gefängnis „niemals“ hätte verlassen dürfen. Anfang 2018 reichte die 30-Jährige ihre Kandidatur für die Wahl im November ein, wo sie den Bundesstaat Maryland für die Demokraten im Senat vertreten will.

Pop wie Populismus

Mannings Auftritt in Berlin, ein Jahr nach ihrer Freilassung, gehört zu den Highlights des Medienkongresses und der europaweit größten Digitalkonferenz. Das Motto der diesjährigen re:publica lautet „POP“: „Das kommt in Populismus vor, steht aber auch für Power of People“, erklärte die Konferenz-Mitgründerin Tanja Häusler.

Es zeige aber auch die inzwischen unverzichtbare Beschäftigung mit dem Mainstream: „Als wir vor zwölf Jahren angefangen haben, war noch nicht absehbar, welche immense Rolle die Digitalisierung einmal in allen Gesellschafts- und Wirtschaftsbereichen spielen würde“, so Häusler.

Entsprechend groß sei inzwischen die Bandbreite der Konferenzthemen, die auch ein Spiegelbild der Diversität im Netz darstellen soll. „Weibliche Körper in der Popmusik“ (2. Mai, 13.30 Uhr, Bühne 9), ein Panel mit Jens Balzer – langjähriger Popkritiker der Berliner Zeitung und Autor des Buches „Pop“ – gehört ebenso dazu wie das populäre Video-Portal Youtube und Schwerpunkte wie „Smart Cities“ und „We Can Work It Out“.

Diese widmen sich den Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Mobilität und unseren Arbeitsalltag – ein Aspekt, der auch bei der MCB vertieft wird, wo ZDF-Intendant Thomas Bellut über die Zukunft des Journalismus in der digitalen Zukunft spricht (2. Mai, 17.15 Uhr, Bühne 7).

All diese neuen Fragen  bedeuten freilich nicht, dass die re:publica unpolitischer wird: Auch in diesem Jahr gibt es an drei Tagen mehrere Vorträge zur Radikalisierung im Netz  oder zu Künstlicher Intelligenz und der Frage, wie Algorithmen zunehmend unser Leben bestimmen – und wie wir sie kontrollieren können. „Und natürlich wird angesichts der aktuellen Debatte auch das Thema Facebook und Cambridge Analytica  nicht fehlen“, sagte  Markus Beckedahl, Konferenz-Mitgründer und Chefredakteur von netzpolitik.org.

Digitales Volksfest für alle

Die re:publica in der Station Berlin ist die größte Konferenz zu den Themen Internet und digitale Gesellschaft in Europa. Jeder Interessierte kann Ideen für Panels einreichen und damit selbst Teil der Diskussionen auf den Bühnen werden. 2018 kommen zwei Drittel davon von Frauen.

Mehr als 9000 Teilnehmer aus 70 Ländern besuchten die re:publica im vergangenen Jahr, und dieses Interesse wächst: Aktuell habe man bereits zehn Prozent mehr Tickets verkauft als 2017 zu diesem Zeitpunkt, sagte Mitgründer Andreas Gebhardt.

Um dem Rechnung zu tragen, findet in diesem Jahr erstmals das kostenlose Netzfest im Anschluss an die Konferenz statt. Am 5. Mai verwandelt sich der Park am Gleisdreieck neben der Station in eine Spielstätte für Workshops und Vorträge rund um digitale Themen für die ganze Familie. Das Fest  soll die Themen der digitalen Zivilgesellschaft einem noch größeren Publikum vermitteln.

re.publica und Media Convention Berlin, 2.-4. Mai 2018, Station Berlin, Luckenwalder Str. 4-6, Tickets 220 Euro (erm. 110)